Google+ 33rpmPVC: Qual der Wahl oder Wahl der Qual?

20.09.2013

Qual der Wahl oder Wahl der Qual?

Nun haben wir also wieder die Wahl... Im Fußball nennt man sowas Not gegen Elend. Mit wem darf Mutti die nächsten 4 Jahre koalieren? Ist das wirklich eine spannende Frage? Gut, ein wenig Spannung bezieht der Sonntag daraus, ob die Partei der Besserverdienenden nun endlich, wenigstens vorübergehend, von der Bildfläche verschwindet oder ob ihre Jammerkampagne um Zweitstimmen ihre Klientel doch noch bewegen kann, sie noch über die 5% zu hieven. Oder machen die Anhänger der Finanzliberalen hier den freiheitlich-österreichischen Schwenk hin zur AfD und diese zur Überraschung des Tages? Da werden einem Brüderle und Co ja fast symphatisch... na ja, aber nur fast!

Die Spezialdemokraten scheinen sich auch geistig schon auf eine große Koalition vorzubereiten, die ja durchaus wahrscheinlich ist, falls die FDP nicht reinkommt. Natürlich hat die SPD überall, mit durchaus linksbesetzten Themen plakatiert. Aber diese Forderungen umzusetzen, was bei einer Rosa-Rot-Grünen Koalition ja möglich wäre, ginge denen dann eben doch zu weit. Das altbekannte links blinken und dann rechts auf dem Standstreifen überholen, ist halt seit jeher die SPD-Maxime. So ist sie, unsere staatstragende, ehemalige Sozialdemokratie. Da gehört das anbiedern ans geldbürgerliche Lager schon seit langen Zeiten zum guten Ton...

Die Grünen sind da leider nur unwesentlich besser. Die ehemals linke Partei, flattert mittlerweile ähnlich mit dem Wind wie früher die FDP. Natürlich steht zuallerst


die Koalitionsaussage zur SPD, was auch durchaus als gewollt anzusehen ist. Nur scheinen mittlerweile nicht nur Utopisten auch bereit zu sein, es mal mit den Schwarzen zu probieren. Irgendjemand muß ja den Platz der FDP einnehmen... Und leider haben sich die Grünen in eine Richtung politisiert, die das nicht mal unglaubwürdig erscheinen lässt. Aktive Friedenspolitik ist da jedenfalls keine Hürde mehr...

Das sich diese Melange aus den oben erwähnten Parteien längst ununterscheidbar zu einer Art Einheitspartei CDUCSUFDPGRÜNESPD geformt hat, scheint dem deutschen Michel aber nicht weiter zu beunruhigen. Ist doch schön, wenn sich alle so einig sind und einem in trauter Einigkeit das Fell über die Ohren gezogen wird. Wenn Schlandketten und Stinkefinger zu überhöhten Wahlkampfthemen stilisiert werden, die wirklich wichtigen Themen aber weitgehend nur am Rande diskutiert werden. Streitthemen sind nirgends sichtbar und der wahlberechtigte Deutsche findet das alles richtig. Die vielen Versäumnisse der jetzigen Regierung, Bankenskandale, die marode EU, der NSU-Skandal, die Geheimdienste, das weltweite Spitzelgeflecht oder kriegslüsterne Friedensnobelpreisträger sind jedenfalls kaum ein Thema...

Nur die Linke, das immerwährende Schmuddelkind, macht da (noch) nicht mit und ich bin froh, wenn wenigstens diese weiterhin eine starke und halbwegs echte Opposition und Alternative im Bundestag bilden. Das auch echte Opposition etwas bewegen kann, zeigen ein wenig die Themen, die es neben den oben erwähnten trivialen Dingen und Seehofers "Ausländer!-LKW-Maut", noch ein wenig auf die Lichtung der Verallgemeinerungen geschafft haben. Rente, Mindestlohn, soziale Gerechtigkeit und Bundeswehr-Auslandseinsätze... alles Themen, für die sich die Linke einsetzte, bevor es andere mehr oder meistens weniger taten und die ohne diese wohl gar nicht erst auf der Bühne erschienen wären. Auf einmal haben alle z. Bsp. den Mindestlohn oder eine Abart davon erfunden. In den letzten 4 Jahren aber immer fleissig dagegen gestimmt, wenn ein Antrag von der Linken gestellt wurde.

"Wahlen ändern nicht, sonst wären sie verboten!" Ein alter Sponti-Spruch, an dem vielleicht sogar was dran ist. Nicht zu wählen ist aber auch scheiße... Es ist nunmal so, dass es eine der wenigen Formen der Mitbestimmung ist. Eine Möglichkeit, ein wenig das zu beeinflussen, was in den nächsten Jahren passiert. Und Alternativen zur Einheitspartei oder zum Nichtwählen gibt es schon. Man muß sich halt nur die Mühe machen, sich ein wenig damit zu beschäftigen. Nichtwählen, und das noch mit Pseudogründen zu hinterlegen, kann ich irgendwie nicht nachvollziehen. Zumindest nicht, wenn man unzufrieden ist.

Eine Gruppe von Menschen gibt es jedoch, denen ich das Nicht-Wählen doch ans Herz legen möchte. Und zwar denjenigen, die es für Protest halten, sich die kotfarbenen Splittergruppen auszusuchen. Ihr dürft gerne zuhause bleiben und euern steifen rechten Arm kurieren...



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