Google+ 33rpmPVC: In Concert: ChameleonsVox / Asmodi Bizarr im Underground Köln, 27.09.2014

28.09.2014

In Concert: ChameleonsVox / Asmodi Bizarr im Underground Köln, 27.09.2014




















Manchmal gibt es Träume, die sich dann doch noch irgendwann erfüllen. Gestern gab es für mich so ein Ereignis. Nein, gemeint ist nicht der Derbysieg meines geliebten S04 über den gelben Nachbarn, sondern ein für mich ganz besonderer Konzertabend in Köln. Im Underground in Ehrenfeld spielten mit den Chameleons (seit einiger Zeit unter dem Namen ChameleonsVox) eine meiner absoluten Lieblingsbands aus der Postpunk-Ära und eigentlich auch eine meiner Lieblingsbands überhaupt...


Die 1,25 Stunden Anfahrt von Lünen nach Köln gingen relativ problemlos über die Bühne. Ein Parkplatz war auch recht schnell gefunden. Und dann rein ins Kölner Nachtleben. (Na gut, mehr als das Underground haben wir auch nicht gesehen.) Und der Laden trägt seinen Namen nicht zu Unrecht. Wenn man den Eingang passiert, heisst einen ein - na sagen wir mal freundlich - "schwarzes Loch" willkommen. Und das meine ich nicht negativ, denn das Interieur war der Situation absolut angemessen und gefiel mir auf Anhieb. Das spärliche Licht der Bar und der Bühne werden von Wand und Decke nahezu völlig absorbiert.  Klein, schwarz und dunkel - Underground eben...


Eröffnet wurde das Konzert von der Düsseldorfer Gothic/Wave-Legende Asmodi Bizarr, die sich, nachdem sie sich eigentlich 1992 aufgelöst hatten, für vereinzelte Auftritte wiedervereint haben und bereits auch beim Wave-Gotik-Treffen in Leipzig 2014 aufgetreten sind. Aber was gut ist, kommt wieder und so war der Auftritt der Band um Sängerin Monique Maassen und Bassist Andy Wahl ein guter Einstieg in den Abend. Die Band spielte eine Reihe Songs aus ihrer frühen Phase (später produzierten sie ja eher rockige Töne) und hinterliessen auf mich einen sehr guten, routinierten Eindruck. Monique Maassen deutete an, warum sie früher gesanglich oft mit Siouxsie Sioux verglichen wurde. Hätte ich mir auch durchaus ein wenig länger anhören können, als nur die übliche halbe Stunde einer Vorband...


Nach der Pause wurde es dann schnell sehr voll und vor allem sehr, sehr heiß und schweißtreibend im Underground. Der sehnsüchtige Blick zu einer erhofften Lüftung oder wenigstens einem Ventilator ging ins Leere. Ein Konzert im Hochsommer möchte ich mir da lieber nicht vorstellen. Dann aber der erwartete Moment. Mark Burgess betrat mit seinen Musikern (unter anderem Yves Altana an den Drums) von ChameleonsVox die Bühne und von der ersten Note an, ging nahezu der komplette Laden trotz Hitzewallungen euphorisch mit. Das erste Album "Script Of The Bridge" wurde dabei einmal in Gänze durchgespielt und ein Klassiker reihte sich damit an den nächsten. Trotz der Backofenatmosphäre jagte eine Gänsehaut nach der anderen über meinen Körper, denn für mich war es, nachdem ich die Band nun seit fast 30 Jahren zum meinen Favoriten zähle, das erste mal, dass ich sie auf der Bühne live gesehen habe. Ein durchaus besonderes Gefühl...


Mark Burgess und die Band zeigten sich unheimlich aktiv und auch wenn das natürlich nicht mehr in Gänze die Originalbesetzung war, klang der Sound wie auf dem Album. Das Publikum, welches nicht auschließlich im größtenteils erwartbar fortgeschrittenen Postpunkhörer-Alter um die 50 war, zeigte sich angesichts der Spielfreude begeistert und bekam tatsächlich noch drei Zugaben, bei denen dann auch Hits von den Alben "What Does Anything Mean? Basically" und "Strange Times" gespielt wurden. Zum Abschluß gab es mit "In Shreds" und dem wohl größten Club-Klassiker der Band "Swamp Thing" noch den musikalischen Höhepunkt. Für mich ein Moment, in dem sich ein Kreis schloss...


Das die Chameleons in die Kategorie "most underrated artists of all times" gehören ist ein trauriger Fakt. Leider ist es ein wiederkehrendes Phänomen in der Musikgeschichte, dass einflußreiche Künstler erst durch das Output ihrer Nachfolger die sich auf sie beziehen, zu einer Art erweiterten und späten Wertschätzung in der Öffentlichkeit gelangen. Wie im Falle der Chameleons beispielsweise durch Bands wie Interpol oder den Editors, die klar am Sound der Chameleons (und weitaus weniger durch Joy Division, auch wenn das oft behauptet wird) anknüpfen. Kommerzieller Erfolg ist meistens nur den Nachfolgern, manchmal sogar eher den Epigonen beschieden. Trotzdem denke ich, das ein solcher Abend wie gestern, sowohl für die Band, als auch für´s Publikum einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Und wenn die gestrige Aussage von Mark Burgess so stimmt, bzw. ich das richtig verstanden habe, dass die Band nur noch einmal Anfang nächsten Jahres auf Tour geht und dann damit aufhört, habe ich ja wirklich noch eine der letzten Chancen ergriffen...




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