Google+ 33rpmPVC: John's Children - Still got the buzz?

22.04.2017

John's Children - Still got the buzz?

pic taken from http://johnschildren.info/index.html


















So müssen sich die Meeresbiologen 1938 bei der Entdeckung des bis dahin als ausgestorben geltenden Quastenflossers vorgekommen sein. Denn eines Tages, eher zufällig, stieß ich beim Autofahren auf einen Song auf dem Acid Jazz Mod-Sampler, den ich zum ersten mal durchhörte. Dabei fiel mir ein Song auf, der aufgrund seiner doch recht rüden Gangart etwas aus dem Gesamtkontext des Samplers hervorstach. Leider hatte ich keinerlei Titelinformationen dazu. Im Zeitalter der mobilen digitalen Informationsverfügbarkeit allerdings kein großes Problem. Rechts ran fahren (Wie, ihr glaubt mir nicht?), Smartphone anwerfen und SoundHound bemühen. Das Ergebnis der Abfrage brachte ans Licht, dass es sich um den Titel "I Got The Buzz" der Formation John's Children handelte. John's Children? Da war doch was - da war doch wer??? Richtig! Die Glamrockfans unter euch werden es wissen. Das war die Band in der Marc Bolan kurz mitmischte, bevor er mit T.Rex Weltkarriere machte...

Einmal angefixt, lässt mir mein musikalisch-investigatives Gewissen keine Ruhe mehr. Klar hatte ich den Bandnamen schon gehört, jenen aber mit Urzeiten meiner musikalischen Sozialisation verbunden. Selbst da wird es aber nie mehr als eine Randnotiz im Zusammenhang mit Bolans Werdegang gewesen sein. Und dann dieser Hammer-Song! Klar wusste ich, das Bolan in jungen Jahren Mod war, bzw. sich in dieser Subkultur bewegte. Aber musikalisch habe ich weder ihn, noch die Band John's Children irgendwie auf einem solchen Sampler erwartet. Und schon gar nicht, dass die Band bis vor wenigen Jahren immer noch (mehr oder weniger und in zweiter Inkarnation) existierte und es z. Bsp. dank des genialen Labels Acid Jazz Records, gar nicht mal so schwer ist, an Vinyl der Truppe zu kommen. Und selbst das einzig zeitgenössische Album "Orgasm" (1970) ist auf den bekannten Wegen durchaus unschwer zu ergattern...

Bolan verließ die Band allerdings bereits im Juni 1967 (nebenbei der Monat meiner Geburt), also nach nicht viel mehr als 3 Monaten wieder. John's Children sind somit weder ein direkter Vorläufer von Tyrannosaurus Rex, noch irgendwie Bolans Band gewesen. Denn diese wurde bereits 1964 von Schlagzeuger (später auch Gitarrist) Chris Townson und Sänger Andy Ellison in Leatherhead (U.K.) gegründet und hatte einige Vorläufer. Beispielsweise die nicht zwingend weitläufig bekannten Clockwork Onions oder The Silence. Die Geschichte der Band nahm erst richtig Fahrt auf, als der Yardbirds-Manager Simon Napier-Bell sich der Sache annahm. 1967, noch zu Zeiten in denen Mr. Bolan mittat, durften John’s Children als Einheizer von The Who auf Tour durch Deutschland. Ihrem Bad Boy-Image wurden diese allerdings sowas von gerecht, dass sie sich sogar anschickten, den eigentlich für's Rüpeln vorgesehenen Who die Show zu stehlen. Mitten in der Tour wurden sie, wohl auf Druck des Who-Managements, nach Hause verfrachtet. Schlagzeuger Chris Townson wurde trotz dieser Differenzen für einige Gigs als Ersatzdrummer für Keith Moon wiedergeholt, als dieser sich eine Verletzung zuzog. 1968 lösten sich John's Children nach einer Tournee in Deutschland zunächst auf. Die Geschichte schien, wie bei vielen vielversprechenden Gruppen dieser Zeit, im Sande zu verlaufen...

Townson und Ellison versuchten es, jeder für sich, mit anderen Bands, bzw. solo. Jedoch ohne einschneidenden Erfolg. In den 90ern kam es dann zu Reformierungsversuchen, bei denen es hin und wieder zu Auftritten kam. 1992 spielten sie beispielsweise einen Gig in Darmstadt. Wie der zustande kam und warum ausgerechnet dort, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis. 1999 veröffentlichten sie eine selbstbetitelte EP mit dem Song "Sara Crazy Child". 2011 erschien dann tatsächlich das als "Black & White" betitelte, zweite (!) Album der Band auf bereits oben erwähntem Acid Jazz Records-Label von Gilles Peterson & Eddie Piller. An mir ist das bis vor kurzem zwar komplett vorbeigegangen, aber das ist ja gerade das schöne am Abtauchen in die Tiefen der Musik, dass man immer wieder neue Geschichten und neues Material entdeckt und sei es noch so alt. Mitgründer Chris Townson durfte die Veröffentlichung des Albums allerdings nicht mehr mitfeiern. Er verstarb 2008 60-jährig an Krebs...

Laut Wikipedia existierte die Band bis 2013. (Dazu siehe unten im Kommentar!) Ob es eine offizielle Trennung gab oder die Band nur ruht, ist mir nicht bekannt. In der Liste der ehemaligen Bandmitglieder bzw. Mitmusiker tauchen über die Jahre hinweg einige illustre Namen auf. Beispielsweise Jeff BeckBoz Boorer (Morrissey), Adrian Fisher (Sparks), Phil King (Lush, The Jesus And Mary Chain) oder Andy Lewis (Paul Weller). Lustig finde ich auch die Anekdote, das beim ersten Album "Orgasm" Jubelorgien der Beatles aus dem Film "A Hard Day's Night" für eine Live-Atmosphäre herhalten mussten, um dem amerikanischen Markt vorzugaukeln, wie erfolgreich die Band doch im U.K. bzw. Europa angeblich war. Der Albumtitel war dem prüdem Amis dann aber wohl doch zu heikel und so blieb "Orgasm", bereits drei Jahre vorher eingespielt, bis 1970 zunächst unveröffentlicht.

Und auch wenn die musikalischen Fähigkeiten von John's Children sicher bis zu einem gewissen Maß limitiert waren, so ist es gut, dass die energiegeladenen Songs mit ihrem teilweise psychedelischen, garage-lastigen Modsound und den protopunkigen Auftritten inklusive inszenierter Provokationen, nicht in Vergessenheit geraten sind. Vielleicht gehört eben diese Erinnerung an einen doch relativ kleinen Aspekt britischer Musikgeschichte, auch zur vielbeschworenen Detailversessenheit der Modkultur...


***Anmerkung/Kommentar: Wie ich soeben aus erster Hand erfahren habe, existiert die Band noch und tritt auch weiterhin live auf...

https://www.youtube.com/watch?v=jMQV9R_ptA0





Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen