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01.07.2017

Welcome to Wonderland



In der eigenen Wahrnehmung von Musik kommt es immer wieder, zumindest wenn man an tiefergehenden Zusammenhängen interessiert ist, zu äußerst interessanten Querverweisen, wundersamen Entdeckungen und ungeahnten Zusammenhängen. Manchmal übersieht man aber auch das Offensichtliche, bei dem der ein oder andere sagen wird: "Wie? Das wusstest du nicht?" In Bezug auf die 1968 formierte Band Wonderland liegt dieses Erweckungserlebnis schon ein paar Jahre zurück, war aber tatsächlich ein solches. Zum ersten mal gesehen habe ich Wonderland bei einer televisionären Rocknacht, in der viele Clips aus alten Beat-Club- und Musikladen-Tagen liefen. Das Format habe ich mittlerweile schon einige male wiederholt im Fernsehen wahrgenommen. Es waren viele tolle Sachen darunter. Mit dabei eben auch Wonderland mit ihrem wohl bekanntesten Titel "Moscow"...

Ich kann mich noch gut daran erinnern, das es mich zunächst "wonderte", einen gewissen Les Humphries zu erkennen, den ich immer eigentlich eher mit seinen doch recht unsäglichen Les Humphries Singers (u. a. mit Jürgen Drews) in Verbindung gebracht habe. Und dann so ein geiler Song? Kurz danach entdeckte ich Achim Reichel und war etwas verunsichert, als ich auch noch Frank Dostal erblickte. Dicky Tarrach am Schlagzeug machte die Verwirrung komplett. Waren das die Rattles? Nein, die Combo nannte sich Wonderland und ich hatte da noch nie vorher was von gehört. Und dass, obwohl mir sowohl die Rattles, als auch Achim Reichels Solo-Sachen recht geläufig waren. Da schien sich eine Bildungslücke groß wie ein schwarzes Loch aufzutun. Wie es so meine Art ist, musste ich herausfinden, was mir da so lange verborgen geblieben ist...

Wonderland bestanden tatsächlich aus einem Großteil der ehemaligen Rattles-Musiker. Zumindest zu der Zeit. In ihrer ersten Inkarnation, komplettiert mit dem Hamburger Gitarristen Helmuth Franke, brachten sie es mit dem oben genannten "Moscow" auch ziemlich weit in die oberen Ränge der Verkaufscharts. Produzent der Gruppe war kein geringerer, als der spätere große Kapitän des Nonstop-Party-Bigband-Sounds James Last. Wonderland hatten von Beginn an einen internationalen, sehr poppigen aber auch hohen Anspruch. Anfänglich noch sehr am psychedelischen Beat ausgerichtet, klangen diverse Stücke ähnlich abgedreht, wie die der jungen Pink Floyd zu "Arnold Layne"-Zeiten. Wenn man sich beispielsweise aber mal den Song "Count Down" von 1969 anhört, klingt dieser schon eher nach The Move. Der musikalische Lebenslauf beinhaltet auch eine Tour mit den Bee Gees, sowie späteren Auftritten mit The Nice und Deep Purple...

Aber da Wonderland auch sowas wie eine deutsche Supergroup war, teilte sie auch das Schicksal der Kurzlebigkeit mit den meisten dieser Formationen. Ende 1969 verließen Franke und Humphries die Band. Ersetzt wurden diese durch Kalle Trapp und Claus-Robert Kruse. Nachdem "Moscow" ein durchaus großer Erfolg war und auch mit der zweiten Single "Boomerang" die Erwartungen noch halbwegs erfüllt wurden, ging es von da an stetig bergab. Zumindest was den messbaren monetären Erfolg anging. 1970 dann die Auflösung von Wonderland, um gleich anschließend durch Dostal und Reichel als Wonderland Band wieder Leben eingehaucht zu bekommen. Von allzugroßer Beständigkeit geprägt, war aber auch dieses Projekt nicht. Und so war das Wunderland im Jahre 1971 schon wieder abgebrannt...

Die Urformation blieb jedoch, jeder auf seine Weise, dem Musikbusiness treu. Achim Reichel startete eine recht erfolgreiche Solokarriere und landete 1983 mit dem Song "Der Spieler" noch einen respektablen Hit. Les Humphries wurde mit seinen Les Humphries Singers bekannt. Tarrach tauchte mit Randy Pie und Moti Special in der Öffentlichkeit auf und Franke spielte später im James Last Orchester. Frank Dostal arbeitete zunächst noch mit Achim Reichel in dessen A.R. & Machines und brachten das starke Album "Die Grüne Reise" auf den Weg. Später machte er sich als schaurig-erfolgreicher Schlagertexter einen Namen. Dostal starb im April 2017. Les Humphries bereits im Dezember 2007. Was bleibt, sind ein paar wirklich gute Songs, allem voran "Moscow", den ich immer mal wieder gerne auf meinen persönlichen Mixes unterbringe...





Kommentare:

  1. ... und Kalle Trapp gründete dann später in Münster die Karo-Studios, wo er damals angesagte Metal-Bands wie Blind Guardian, Violent Force oder Iron Angel produzierte. Später allerdings zog dieses Studio um nach Brackel, wo auch immer das ist.
    Mit Gruß aus Münster - Paulchen

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