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Front Porch entfesseln Bluegrass mit Punk-Attitüde und Jazz-Finesse – Club Montreux begeistert erneut im flözK Werne

Es gibt Konzertabende, an denen vom ersten Ton an klar ist, dass hier etwas Besonderes passiert. Genau ein solcher Abend war der jüngste Club Montreux im flözK Werne. Mit Front Porch aus Arkansas machte ein Quartett Station, das eindrucksvoll demonstrierte, wie lebendig, virtuos und zeitgemäß Bluegrass im Jahr 2026 klingen kann...  Bereits nach wenigen Takten war spürbar, warum die Band den Auftakt ihrer Europa-Tournee bewusst nach Werne gelegt hatte. Front Porch verbinden die traditionellen Wurzeln des amerikanischen Bluegrass mit einer beeindruckenden musikalischen Offenheit. Die Energie und Direktheit des Punk treffen auf die improvisatorische Freiheit des Jazz – eine Mischung, die gleichermaßen kraftvoll, technisch brillant und mitreißend wirkt. Dabei überzeugte die Band nicht nur durch ihr außergewöhnliches instrumentales Können. Banjo, Mandoline, Gitarre und Kontrabass verschmolzen zu einem hochpräzisen Ensemble, dessen Zusammenspiel von ve...
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Kalia Vandever – Mana (International Anthem, 12.06.2026)

Es gibt Künstler, die sich mit jedem Album innerhalb eines einmal gefundenen Koordinatensystems weiterentwickeln. Und es gibt jene, die sich bewusst davon lösen. Kalia Vandever gehört inzwischen eindeutig zur zweiten Kategorie. Nach den kammermusikalisch geprägten Quartettarbeiten und den ersten Soloexperimenten markiert Mana keinen stilistischen Bruch, sondern eine konsequente Erweiterung ihrer musikalischen Sprache. Das Debüt für International Anthem führt verschiedene Entwicklungslinien zusammen und wirkt zugleich persönlicher als alles, was bislang unter ihrem Namen erschienen ist... Wer hier ein weiteres zeitgenössisches Jazzalbum erwartet, dürfte bereits nach wenigen Minuten feststellen, dass diese Einordnung nur bedingt trägt. Mana lebt von entschleunigten Klangräumen, in denen Posaune, Stimme, Elektronik und sparsam gesetzte Klavierfiguren miteinander verschmelzen. Vandever nutzt ihr Instrument längst nicht mehr ausschließlich als Melodieträger, sondern formt daraus...

The Interlaken Tapes – DANCE (Bureau Platiruma, 30.06.2026)

  Entlang meiner musikalischen Hörgewohnheiten, entstehen die interessantesten Platten oft nicht in millionenschweren Studios, sondern dort, wo Ideen wichtiger sind als Budgets oder möglicher Ertrag. Hinter The Interlaken Tapes steht Gorden Spangardt aus Bottrop, der sich mit einer Reihe von EPs bereits ein (noch) kleines, aber aufmerksames Publikum erspielt hat. Nach dem selbstbetitelten Debüt und der starken Mini-LP „2“ folgt nun mit DANCE das erste Full-length-Album des Projekts. Und es wirkt wie die logische Ausdehnung eines bereits klar erkennbaren musikalischen Kosmos... Der Titel lässt zunächst etwas anderes vermuten, als letztlich aus den Lautsprechern kommt. DANCE ist in erster Linie keine Platte für den Club (auch wenn selbst das nicht gänzlich ausgeschlossen werden kann), sondern eher eine Sammlung von Bewegungsimpulsen zwischen Motorik, Melancholie und kontrollierter Schwerelosigkeit. Krautrock bildet dabei eins der Fundamente, doch Spangardt denkt dieses Er...

Moderne Soul-Eleganz: Sarife – Ghosts From The Past || (Waterfall Records / Broken Silence, VÖ: 05.06.2026)

Nicht jedes gute Soul-Album muss das Rad neu erfinden. Ghosts From The Past lebt gerade davon, dass SARIFE auf vertraute Stärken setzt: warme Grooves, eingängige Melodien, moderne R&B-Produktionen und eine Stimme, die Emotionen glaubwürdig transportiert. Das Ergebnis ist ein Debüt, das durchaus das Potenzial besitzt, auch über die Grenzen der klassischen Soul-Szene hinaus Gehör zu finden... Musikalisch bewegt sich das Album zwischen Neo Soul, modernem R&B, Jazz-Ästhetik und dezenten Hip-Hop-Einflüssen. Produziert von Laura Hofer und Dennis Rux in den Hamburger Yeah! Yeah! Yeah! Studios, klingt "Ghosts From The Past" warm, organisch und angenehm zeitlos. Die Arrangements bleiben meist zurückhaltend, schaffen aber genügend Raum für Details, die sich erst nach mehreren Durchläufen vollständig erschließen... Der eigentliche Mittelpunkt des Albums ist jedoch Sarifes grandiose Stimme. Sie trägt diese Songs nicht nur – sie erzählt sie. Mal sanft und verletzlich, ...

Der Sound einer Gesellschaft im roten Bereich: Die Behörde macht Ernst: Die Behörde – Der letzte Arbeitgeber (12.06.2026 | Flight13 Records)

Nach wenigen Minuten ist die Lage hier geklärt - das wird keine Pflichtübung. Kein weiterer Beitrag für die mittlerweile gut gefüllte Schublade „Deutschpunk 2026“, kein schnell konsumierter Wochenend-Soundtrack, sondern ein Album, das sich sofort festsetzt. So eine Platte ist "Der Letzte Arbeitgeber" von Die Behörde...  Bereits der Name der Bremer Band deutet an, wohin die Reise geht. Hier wird nicht auf Eskapismus gesetzt. Die Behörde beobachten, registrieren, protokollieren und schlagen Alarm. Und zwar nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit einem Sound, der irgendwo zwischen Hardcore-Deutschpunk, Postpunk und einer seltsam eingängigen Powerpop-Nervosität seinen Platz findet. Das Bemerkenswerte dabei - die acht Stücke wirken nie wie politische Flugblätter mit Gitarrenbegleitung. Natürlich sind die Themen unüberhörbar. Diskriminierung, Ausgrenzung, autoritäres Denken, gesellschaftliche Verrohung und die alltäglichen Zumutungen einer Gegenwart, die sich zuneh...

Zwischen Acid Jazz, Blue-Eyed Soul und Modern-Style-Council-Vibes – Earth-O-Naut: This Is Nowhere. This Is Everywhere. (05.06.2026, Agogo Records)

Manchmal landet eine Platte auf dem Teller, die sich zwar aus bekannten Zutaten speist, dabei aber dennoch erstaunlich frisch wirkt. Genau so ein Fall ist das Debütalbum von Earth-O-Naut. Hinter dem Projekt steht der britische Musiker, Songwriter und Produzent Terry Shaughnessy, der seine Stücke weitgehend selbst schreibt, aufnimmt und produziert. Musikalisch bewegt er sich zwischen Soul, Jazz, Funk und Acid Jazz und knüpft dabei bewusst an eine Tradition an, die in Großbritannien seit den 1980er Jahren gepflegt wird...  Bereits die Vorab-Singles ließen erkennen, wohin die Reise geht. Auf This Is Nowhere. This Is Everywhere. verschmelzen elegante Grooves, warme Harmonien und eine entspannte Selbstverständlichkeit zu einem Album, das sich weniger über Effekte als über Atmosphäre definiert. Wer mit den Arbeiten von Paul Weller, The Style Council, Galliano oder den souligeren Momenten des Acid-Jazz-Kosmos sozialisiert wurde, dürfte sich, ähnlich wie es mir geht, hier schn...