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Forgotten Hero: Reinhard Lakomys visionäre Klangwelten | Reinhard Lakomy – Palastkonzert (Lacky Musik, 10. April 2026)

Manche Archivveröffentlichungen bedienen vor allem die Nostalgie. Palastkonzert gehört nicht dazu. Der erstmals auf Vinyl veröffentlichte Mitschnitt eines Konzerts aus dem Jahr 1983 ist weit mehr als ein historisches Dokument – er eröffnet einen faszinierenden Blick auf einen Künstler, dessen Bedeutung für die elektronische Musik im deutschsprachigen Raum bis heute oft unterschätzt wird... Reinhard Lakomy war ein musikalischer Grenzgänger. Vielen ist er bis heute als Schöpfer des Traumzauberbaums präsent, doch sein Schaffen reichte weit darüber hinaus. Der Pianist, Komponist und Arrangeur bewegte sich mühelos zwischen Jazz, Rock, Filmmusik und Elektronik und gehörte Anfang der 1980er Jahre zu den Pionieren elektronischer Musik in der DDR. Seine Begegnungen mit Edgar Froese von Tangerine Dream und seine Begeisterung für neue Synthesizer-Technologien prägten eine künstlerische Handschrift, die nie Selbstzweck war. Lakomy verstand elektronische Instrumente nicht als Effektmasc...
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Zwei Seiten derselben Idee – Gregory Uhlmann - Extra Stars [IARC0107] & Whitney Johnson, Lia Kohl, Macie Stewart - Body Sound [IARC0108] auf International Anthem, 2026

Es gibt Labels, deren Veröffentlichungen trotz unterschiedlichster Künstler sofort als Teil einer gemeinsamen Vision erkennbar sind. International Anthem aus Chicago gehört zweifellos dazu. Seit der Gründung 2014 hat sich das Label zu einer der wichtigsten Adressen für zeitgenössischen Jazz, Improvisation, Ambient und experimentelle Kammermusik entwickelt. Statt Virtuosität oder eingängiger Melodien stehen Atmosphäre, Raum und das bewusste Ausloten von Klang im Mittelpunkt. Genau in diese Tradition reihen sich Gregory Uhlmanns EXTRA STARS (IARC0107) und BODY SOUND von Whitney Johnson, Lia Kohl und Macie Stewart (IARC0108) nahtlos ein... Gregory Uhlmann arbeitet auf Extra Stars mit einer bemerkenswerten Ökonomie der Mittel. Gitarren, dezente Elektronik und vereinzelte Gäste – darunter Alabaster DePlume, Josh Johnson oder Anna Butterss – formen kleine Klangminiaturen, die sich eher entfalten als entwickeln. Das Album bewegt sich zwischen improvisierter Musik, Folk, Ambient un...

The Fisherman And His Soul - Family Matters (2026 | Bureau Platiruma, Subjangle)

Mit Family Matters setzt Sebastian Voss alias The Fisherman And His Soul seinen konsequent eigenen Weg fort. Seit Jahren bewegt er sich mit seiner faszinierend britisch klingenden Band zwischen Indie-Pop, Chamber Pop und dezent psychedelisch eingefärbtem Gitarrenfolk, ohne sich stilistischen Moden anzubiedern. Stattdessen entstehen Songs, die ihre Wirkung aus sorgfältigen Arrangements, feinen Melodien und einer spürbaren Liebe zum Detail beziehen...  Auch auf diesem Album steht nicht der große Effekt im Vordergrund, sondern das Erzählen. Der Titel Family Matters ist dabei durchaus programmatisch: Erinnerung, Herkunft und zwischenmenschliche Beziehungen bilden den emotionalen Rahmen eines Albums, das gleichermaßen intim wie vielschichtig wirkt. Voss verbindet akustische und elektrische Gitarren mit Orgel, dezenten Keyboardflächen und kammermusikalischen Elementen. Die Produktion bleibt bewusst transparent und lässt jedem Instrument Raum, wodurch die oft melancholische Gr...

Ein starker Auftakt für den Platiruma!!!-Singles Club: Dörte – Ein Teil von mir [Platiruma!!! – Singles Club #1] || 7" Lathe Cut, Transparent Vinyl (2026)

Mit „Ein Teil von mir“ eröffnet Platiruma!!! seinen neuen Singles Club – und hätte dafür kaum einen passenderen Auftakt wählen können. Das kleine, unabhängige Label aus dem Münsterland gehört seit Jahren zu den sympathischsten Konstanten der hiesigen DIY-Szene und ist für uns bei 33rpmPVC.de längst mehr als nur eine regelmäßige Quelle spannender Veröffentlichungen. Die freundschaftliche Verbundenheit wächst mit jeder Platte, ohne den kritischen Blick auf die Musik zu trüben...  Hinter Dörte steht Thorsten Mennebröcker, vielen noch als Musiker der Sauerländer Postpunk-Band Sturmschäden bekannt. Seine heutige musikalische Handschrift wirkt jedoch deutlich offener: „Ein Teil von mir“ verbindet deutschsprachigen Indie-Pop mit einer angenehm spröden Lo-Fi-Ästhetik, feinen elektronischen Akzenten und einer Melancholie, die nie ins Pathetische abrutscht. Statt großer Gesten setzt Mennebröcker auf Atmosphäre, kluge Reduktion und einen Text, der Raum für eigene Interpretationen ...

WAMONO – Als Japan den Groove neu erfand, Teil 02 - Jazz Kissa und die Legenden des Wamono

Kapitel 6a – Jazz Kissa: Die Kathedralen des Hörens Wie Japan eine einzigartige Kultur des konzentrierten Musikhörens entwickelte. Wer zum ersten Mal ein Jazz Kissa betritt, erlebt einen Ort, an dem Musik nicht als Hintergrundbeschallung dient, sondern den Mittelpunkt des gesamten Raumes bildet. Gespräche sind leise, Smartphones verschwinden in den Taschen und die Aufmerksamkeit gilt ausschließlich der laufenden Schallplatte. Ein Jazz Kissa ist weder Café noch Bar im klassischen Sinn. Es ist ein Hörraum für Menschen, die Musik mit derselben Konzentration erleben möchten, mit der andere ein Gemälde betrachten oder einen Roman lesen. Wer diese Kultur versteht, versteht auch einen wesentlichen Teil des Wamono-Universums...  Das japanische Wort 'Kissa' ist die Kurzform von 'Kissaten' und bezeichnet ursprünglich ein Kaffeehaus. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Jazz Kissa zu Orten, an denen Menschen Zugang zu teuren Import-Schallplatten erhielten, die...

Zwischen Vinyl, Wohnzimmer und Visionen – Das Comfort One in Waltrop und warum es weit mehr als nur ein Musikclub ist...

Warum das Comfort One in Waltrop eine Zukunft verdient? Es gibt Orte, die entdeckt man nicht über große Werbekampagnen oder auffällige Fassaden. Man findet sie, weil jemand davon erzählt. Weil Menschen sie weiterempfehlen. Weil sich herumspricht, dass dort etwas Besonderes passiert. Das Comfort One Studio im Waltroper Osten ist so ein Ort...  Von außen wirkt das Gebäude beinahe unscheinbar. Hinter der Tür eröffnet sich jedoch eine Welt aus Schallplattenregalen, Instrumenten, Verstärkern, Kunst, Büchern, Vintage-Mobiliar und einer Atmosphäre, die sich kaum inszenieren lässt. Hier wird Musik nicht nur gehört, sondern gelebt. Und genau das spürt man vom ersten Moment an... Der Anlass unseres Besuchs war eine Vorstellungs- und Kennenlernrunde. Rund zwanzig Menschen waren der Einladung gefolgt. Musikerinnen und Musiker, Kulturschaffende, Vereinsmenschen, Kreative und Menschen mit organisatorischer Erfahrung – alle mit unterschiedlichen Biografien und ...