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SAINT ETIENNE – FOR THE (ALMOST) VERY LAST TIME || Cambridge Corn Exchange, 26.09.2026 [Gastbeitrag: K. Ahland]

Saint Etienne … wo fang ich an? Unterm Strich wahrscheinlich, neben den Beatles, die wichtigste britische Band in meinem Leben. Ganz sicher die wichtigste zu meinen Lebzeiten. Zum ersten Mal auf sie aufmerksam wurde ich durch einen Artikel in der Spex vom Juni 1991. Ihr Konzept war ähnlich der ursprünglichen Idee hinter The Style Council: ein loses Kollektiv mit wechselnden Sängerinnen und Bob Stanley und Pete Wiggs als konstantem Kern. Im Übrigen sahen die beiden Jungs, fand ich, verdammt „Mod“ aus. Und genau so habe ich sie auch über 35 Jahre hinweg betrachtet. Es gibt „orthodoxe“ Mods, die nichts, was stilistisch nach ’66 kam, gelten lassen. „Falsch“, fand ich schon immer. Frischer Wind wie Madchester Rave, Acid Jazz oder Britpop waren immer willkommen, und so auch der Indie-Dance-Beat von Saint Etienne. Im gleichen Jahr, 1991, erschien auch das Debütalbum „Foxbase Alpha“ auf Heavenly, das ich mir frisch aus London mit nach Hause brachte. Inzwischen war längs...
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John Coltrane – The Tiberi Tapes: Muss wirklich jedes Band veröffentlicht werden?

John Coltrane gehört zu den Musikern, bei denen noch der beiläufigste erhaltene Tonmitschnitt musikhistorisches Interesse wecken kann. Vermutlich könnte man ihm beim Einspielen einer Tonleiter zuhören und würde irgendwo darin bereits den nächsten Entwicklungsschritt suchen. Genau das macht Veröffentlichungen wie The Tiberi Tapes gleichermaßen faszinierend und problematisch...  Die zwischen 1960 und 1964 entstandenen Mitschnitte von Frank Tiberi sind ohne Zweifel historische Dokumente. Sie führen mitten hinein in eine entscheidende Phase Coltranes: von der Zeit um Giant Steps über das klassische Quartett bis unmittelbar an die Schwelle zu A Love Supreme. Man hört einen Musiker, der sucht, verändert, ausprobiert und seine musikalische Sprache immer weiter öffnet.  Das ist spannend. Aber ist es deshalb ein Album? Genau hier beginnt mein Problem mit The Tiberi Tapes. Diese Aufnahmen entstanden nicht als geplante Veröffentlichung. Es sind private beziehungsweise in Club...

SINSUKE FUJIEDA GROUP – Fukushima | Wenn Erinnerung zu Klang wird [VÖ: 26.08.2026 (3rd Press) Original-VÖ: 30.04.2025. Label: Superfly Records / SoFa Records |Katalognummer: SRLP039]

Es gibt Alben, bei denen nach wenigen Minuten klar ist, dass sie bei *ben werden. Fukushima von der Sinsuke Fujieda Group ist für mich genau so eine Platte. Ein Album, das mich vom eröffnenden Titelstück an komplett gepackt hat – und mit jedem weiteren Durchlauf noch wächst...  Dabei steckt hinter Fukushima weit mehr als eine weitere hervorragende Veröffentlichung aus der gegenwärtig ungemein spannenden japanischen Jazzszene. Fujieda entwickelte das Werk aus seinen Erfahrungen und Erinnerungen an das Tōhoku-Erdbeben und die Katastrophe von 2011. Landschaft, Erinnerung, innere Veränderung, Gebet und die Hoffnung auf Erneuerung bilden den gedanklichen Untergrund dieser Musik. Die Aufnahmen entstanden am 16. Mai 2023 im Groove Studio in Matsudo und wurden als One-Take-Session eingespielt...  Schon das knapp zehnminütige „Fukushima“ entfaltet mit Fujiedas Saxophon, Shinichi Tsukamotos modalem Piano und der Percussion von Daisuke Alkhay einen gewaltigen Sog. „Float In O...

Sieben Zoll für besondere Songs – Herr Wade feat. Yvy Pop im Platiruma Singles Club – „Autostrade“ / „Du gehörst nicht dazu (Non succederà più)“

Manchmal braucht es keine LP, kein aufwendiges Release-Konzept und schon gar keine Streaming-Kampagne. Manchmal reichen sieben Zoll Vinyl und zwei Songs. Bureau Platiruma aus Altenberge im Münsterland hat daraus gleich eine kleine Reihe gemacht: Im Platiruma Singles Club erscheinen ausgewählte Stücke verschiedener Künstler und Bands als liebevoll gestaltete 7"-Kleinauflagen. Nach Dörtes „Ein Teil von mir“ ist „Autostrade“ von Herr Wade feat. Yvy Pop die Nummer zwei der Reihe – und Nummer drei steht bereits in den Startlöchern...  Hinter Bureau Platiruma steckt bekanntlich Sebastian Voss, Musiker, Songwriter und kreativer Kopf verschiedener Projekte aus dem Umfeld des Labels. Dazu gehören unter anderem The Fisherman & His Soul und Herr Wade. Das Label versteht sich ohnehin eher als musikalisches Kollektiv denn als klassische Plattenfirma – passend dazu ist auch diese Single alles andere als Massenware: 25 Exemplare, transparenter 7"-Lathe-Cut und individuell vo...

Flöz Ska 2026: Die Slapstickers begeistern erneut beim Open Air im Club Montreux

Werne. Was für ein Abend: Beim diesjährigen „Flöz Ska 2026“ verwandelte sich das Open Air des Club Montreux am vergangenen Freitag erneut in eine große Ska-Party. Rund 160 bis 180 Besucherinnen und Besucher waren gekommen – und erlebten mit den Slapstickers eine Band, die bereits im vergangenen Jahr einen bleibenden Eindruck in Werne hinterlassen hatte...  Dabei sah es am Nachmittag zunächst gar nicht danach aus, als würde das Wetter mitspielen. Kräftiger Regen ließ zwischenzeitlich durchaus Zweifel aufkommen, ob das Open Air wie geplant stattfinden könnte. Doch pünktlich zum Abend hatte der Wettergott ein Einsehen: Gegen 17 Uhr ließ der Regen nach, und zum Konzert präsentierte sich das Wetter schließlich von seiner besten Seite. Besser hätte es kaum passen können...  Und dann gehörte der Abend den Slapstickers. Wie schon fast auf den Tag genau ein Jahr zuvor zeigte die erfahrene Ska-Band, warum sie sich über viele Jahre einen hervorragenden Ruf erspiel...

Mit der grünen Chili durch Kreuzberg – Kancha Lanka Koalition: „Kanal“ (XJAZZ! Music, 04.09.2026)

Eine Fahrradfahrt quer durch Kreuzberg, vom Schlesischen Tor Richtung Gleisdreieck, und im Kopf fahren Thelonious Monk, Olivier Messiaen, James Brown und südindische Rhythmik mit. Das ist nicht nur ein hübsches Bild für „Kanal“, sondern beschreibt ziemlich treffend, wie die Kancha Lanka Koalition ihr zweites Album angelegt hat: als musikalische Bewegung durch die Stadt, bei der unterschiedlichste Eindrücke aufgenommen, zerlegt und in etwas Eigenes überführt werden...  Die Berliner Band existiert seit 2016 und veröffentlichte 2021 mit „In der Komfortzone“ ihr Debüt. Schon damals waren verschachtelte Rhythmen, abrupte Richtungswechsel und die selbstverständliche Nachbarschaft von Jazz, Rock, Avantgarde und unterschiedlichsten rhythmischen Einflüssen wesentliche Bestandteile ihres Sounds. „Kanal“ führt diese Idee weiter, klingt dabei aber ungemein geschlossen...  Julian Dattas Gitarre, Richard Kochs Trompete, Rafael Espinozas Bass und Javier Reyes’ Schlagzeug funktion...