Ich mag gedruckte Musikzeitschriften. Wirklich... Ich meine damit nicht nur die Möglichkeit, Informationen jenseits des Internets zu bekommen. Ich meine das ganze Ritual: Ein neues Heft liegt im Briefkasten oder auf dem Wohnzimmertisch. Man nimmt es in die Hand, blättert ohne Suchmaschine, ohne Empfehlungssystem und ohne den Druck der nächsten Benachrichtigung darin herum. Man bleibt bei einem Foto hängen, liest eine Rezension zu einer Platte, von der man noch nie gehört hat, und entdeckt im Idealfall etwas, nach dem man niemals aktiv gesucht hätte. Ein gutes Musikmagazin hat deshalb für mich einen anderen Wert als ein gutes Onlineportal. Online suche ich gezielt nach etwas. In einem Heft darf mich etwas finden... Gerade deshalb bin ich zunehmend enttäuscht von den deutschen Jazzmagazinen. Nicht, weil sie nichts könnten. Nicht, weil dort keine guten Autorinnen und Autoren arbeiten würden. Und auch nicht, weil ich verlange, dass ein Jazzmagazin nur über Küns...
Es gibt Alben, bei denen man schon nach wenigen Takten weiß, wohin die Reise geht. Sweets, das neue Album der Winston Brothers, gehört für mich eindeutig in diese Kategorie. Satte Grooves, treibende Rhythmen und ein tief in den Siebzigerjahren verwurzelter Funk-Sound, der dennoch alles andere als angestaubt klingt. Ein ausgesprochen starkes Instrumentalalbum, das vom ersten Moment an richtig Spaß macht und mich persönlich sofort abgeholt hat... Was die Winston Brothers hier abliefern, ist Funk auf einem bemerkenswert hohen musikalischen Niveau. Besonders die hervorragende Rhythmusarbeit hat es mir angetan. Lucas Kochbeck liefert am Schlagzeug eine ausgesprochen starke Vorstellung ab und sorgt mit seinem druckvollen, präzisen und zugleich ungemein lässigen Spiel für das rhythmische Fundament. Überhaupt überzeugt das Zusammenspiel der Musiker auf ganzer Linie. Hier sitzt jeder Groove, ohne dass die Musik dabei auch nur ansatzweise steril oder überproduziert wirkt. Stilis...