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Soho Scene – Jazz Goes Mod: Als der Jazz den Sound Londons bestimmte

Eine musikalische Zeitreise durch Soho, die frühen Modernists und die britische Jazzszene zwischen 1957 und 1968...  London, Ende Mai im Jahr 2024. Ich sitze vormittags in der Bar Italia in Soho, London, und genehmige mir mit zwei Freunden einen Kaffee, um mich für die anstehende Tour durch die dort ansässigen Vinylshops zu rüsten...  Mein Blick wandert rüber zum wohl berühmtesten Jazzclub Europas, dem Ronnie Scott’s Jazz Club. So unscheinbar, wie er geschlossen an einem Vormittag nur erscheinen kann, regt er mich dennoch zu einem gedankenversunkenen Exkurs an, der sich über die Dauer des Genusses einer Tasse Kaffee in der kaum weniger legendären Eisdiele im Londoner West End erstreckt… Miles Davis, Art Blakey, Sonny Rollins, Ella Fitzgerald, Thelonious Monk, Tubby Hayes, Dizzy Gillespie, Gergie Fame – was für Namen, die hier schon auf der Bühne gestanden haben. Was für Abende müssen das gewesen sein! Und während ich an meinem Kaffee nippe, versuche ich mir vorzus...
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Soulport Universe Vol. 1 – Eine verdammt gute Portion Soul und Funk - Various Artists | Soulport Records | VÖ: 15.10.2026

Es gibt diese Platten, bei denen man schon nach wenigen Minuten merkt, dass da etwas Besonderes im Gange ist. Nicht unbedingt etwas vollkommen Neues, denn Soul und Funk müssen nun wirklich nicht ständig neu erfunden werden. Vielmehr geht es darum, wie man diese Musik spielt, wie sie klingt und ob die beteiligten Musiker tatsächlich ein Gefühl dafür haben. Und genau da hat mich „Soulport Universe Vol. 1“ ziemlich schnell gepackt... Soulport Records ist ein noch recht junges Label aus Sulzbach bei Frankfurt, hinter dem Marcel Bach steckt, der selbst unter dem Namen Miles King musikalisch aktiv ist. Angefangen hat das Ganze in einem improvisierten Studio in einem alten Partykeller. Eine Achtspur-Bandmaschine, ein paar befreundete Musiker und offensichtlich jede Menge Begeisterung für klassische Soulmusik. Inzwischen ist daraus ein beachtliches Netzwerk entstanden, dessen erste Jahre mit dieser Compilation dokumentiert werden... Vierzehn Stücke, unterschiedliche Künstler und Ba...

SLADEK – Blame It All On You / What Are You Doing? || 7" | SLDK Records | SLDK-009 | 2026

Manchmal reichen fünf Minuten. Zwei Songs, eine 7-Inch – und die Gewissheit, dass eine Band ziemlich genau weiß, wo sie hinwill. SLADEK haben bei mir bereits mit "Things Gotta Change" ( ebenfalls hier im Blog besprochen ) einen ausgesprochen guten Eindruck hinterlassen. Das österreichische Trio verstand es darauf, klassischen Soul nicht einfach zu reproduzieren, sondern mit viel Gespür für Groove, Dynamik und Arrangements in die Gegenwart zu holen. Mit „Blame It All On You“ / „What Are You Doing?“ legen SLADEK nun eine Single nach, die diesen Weg konsequent weitergeht – und für meinen Geschmack sogar noch einmal eine Schippe drauflegt...  „Blame It All On You“ ist mit seinen 2:45 Minuten nahezu perfektes Single-Material: federnd, leichtfüßig und unmittelbar, mit einem Groove, der sich ziemlich schnell festsetzt. Warm und organisch produziert, aber ohne den bemühten Vintage-Gestus, der einem bei zeitgenössischem Retro-Soul gelegentlich begegnet...  Und dann ist da ...

SAINT ETIENNE – FOR THE (ALMOST) VERY LAST TIME || Cambridge Corn Exchange, 26.09.2026 [Gastbeitrag: K. Ahland]

Saint Etienne … wo fang ich an? Unterm Strich wahrscheinlich, neben den Beatles, die wichtigste britische Band in meinem Leben. Ganz sicher die wichtigste zu meinen Lebzeiten. Zum ersten Mal auf sie aufmerksam wurde ich durch einen Artikel in der Spex vom Juni 1991. Ihr Konzept war ähnlich der ursprünglichen Idee hinter The Style Council: ein loses Kollektiv mit wechselnden Sängerinnen und Bob Stanley und Pete Wiggs als konstantem Kern. Im Übrigen sahen die beiden Jungs, fand ich, verdammt „Mod“ aus. Und genau so habe ich sie auch über 35 Jahre hinweg betrachtet. Es gibt „orthodoxe“ Mods, die nichts, was stilistisch nach ’66 kam, gelten lassen. „Falsch“, fand ich schon immer. Frischer Wind wie Madchester Rave, Acid Jazz oder Britpop waren immer willkommen, und so auch der Indie-Dance-Beat von Saint Etienne. Im gleichen Jahr, 1991, erschien auch das Debütalbum „Foxbase Alpha“ auf Heavenly, das ich mir frisch aus London mit nach Hause brachte. Inzwischen war längs...

John Coltrane – The Tiberi Tapes: Muss wirklich jedes Band veröffentlicht werden?

John Coltrane gehört zu den Musikern, bei denen noch der beiläufigste erhaltene Tonmitschnitt musikhistorisches Interesse wecken kann. Vermutlich könnte man ihm beim Einspielen einer Tonleiter zuhören und würde irgendwo darin bereits den nächsten Entwicklungsschritt suchen. Genau das macht Veröffentlichungen wie The Tiberi Tapes gleichermaßen faszinierend und problematisch...  Die zwischen 1960 und 1964 entstandenen Mitschnitte von Frank Tiberi sind ohne Zweifel historische Dokumente. Sie führen mitten hinein in eine entscheidende Phase Coltranes: von der Zeit um Giant Steps über das klassische Quartett bis unmittelbar an die Schwelle zu A Love Supreme. Man hört einen Musiker, der sucht, verändert, ausprobiert und seine musikalische Sprache immer weiter öffnet.  Das ist spannend. Aber ist es deshalb ein Album? Genau hier beginnt mein Problem mit The Tiberi Tapes. Diese Aufnahmen entstanden nicht als geplante Veröffentlichung. Es sind private beziehungsweise in Club...

SINSUKE FUJIEDA GROUP – Fukushima | Wenn Erinnerung zu Klang wird [VÖ: 26.08.2026 (3rd Press) Original-VÖ: 30.04.2025. Label: Superfly Records / SoFa Records |Katalognummer: SRLP039]

Es gibt Alben, bei denen nach wenigen Minuten klar ist, dass sie bei *ben werden. Fukushima von der Sinsuke Fujieda Group ist für mich genau so eine Platte. Ein Album, das mich vom eröffnenden Titelstück an komplett gepackt hat – und mit jedem weiteren Durchlauf noch wächst...  Dabei steckt hinter Fukushima weit mehr als eine weitere hervorragende Veröffentlichung aus der gegenwärtig ungemein spannenden japanischen Jazzszene. Fujieda entwickelte das Werk aus seinen Erfahrungen und Erinnerungen an das Tōhoku-Erdbeben und die Katastrophe von 2011. Landschaft, Erinnerung, innere Veränderung, Gebet und die Hoffnung auf Erneuerung bilden den gedanklichen Untergrund dieser Musik. Die Aufnahmen entstanden am 16. Mai 2023 im Groove Studio in Matsudo und wurden als One-Take-Session eingespielt...  Schon das knapp zehnminütige „Fukushima“ entfaltet mit Fujiedas Saxophon, Shinichi Tsukamotos modalem Piano und der Percussion von Daisuke Alkhay einen gewaltigen Sog. „Float In O...