Es muss nicht immer der revolutionäre, kompromisslose und nach neuen Ausdrucksformen suchende John Coltrane sein. Manchmal genügt es vollkommen, diesem außergewöhnlichen Musiker dabei zuzuhören, wie er sich auf seine musikalischen Wurzeln besinnt. Plays the Blues ist dafür ein wunderbares Beispiel. Ein wunderschönes, in sich geschlossenes Album, das bei aller improvisatorischen Raffinesse vor allem eines ist: eine tief im Blues verwurzelte Jazzplatte... Aufgenommen am 24. Oktober 1960 in den Atlantic Studios in New York, erschien das Album erst 1962. Coltrane befand sich damals in einer musikalisch ausgesprochen spannenden Phase. Mit Giant Steps hatte er bereits eindrucksvoll demonstriert, wie weit sich harmonische Strukturen ausreizen ließen, während sich mit My Favorite Things zunehmend neue, modale Ausdrucksmöglichkeiten abzeichnete.. Begleitet wird er von McCoy Tyner am Klavier, Steve Davis am Kontrabass und Elvin Jones am Schlagzeug. Eine Besetzung, die bereits wesentli...
Eine musikalische Zeitreise durch Soho, die frühen Modernists und die britische Jazzszene zwischen 1957 und 1968... London, Ende Mai im Jahr 2024. Ich sitze vormittags in der Bar Italia in Soho, London, und genehmige mir mit zwei Freunden einen Kaffee, um mich für die anstehende Tour durch die dort ansässigen Vinylshops zu rüsten... Mein Blick wandert rüber zum wohl berühmtesten Jazzclub Europas, dem Ronnie Scott’s Jazz Club. So unscheinbar, wie er geschlossen an einem Vormittag nur erscheinen kann, regt er mich dennoch zu einem gedankenversunkenen Exkurs an, der sich über die Dauer des Genusses einer Tasse Kaffee in der kaum weniger legendären Eisdiele im Londoner West End erstreckt… Miles Davis, Art Blakey, Sonny Rollins, Ella Fitzgerald, Thelonious Monk, Tubby Hayes, Dizzy Gillespie, Gergie Fame – was für Namen, die hier schon auf der Bühne gestanden haben. Was für Abende müssen das gewesen sein! Und während ich an meinem Kaffee nippe, versuche ich mir vorzus...