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The Winston Brothers – Sweets (VÖ: 06.12.2026) Colemine Records | Instrumental Funk / Soul

Es gibt Alben, bei denen man schon nach wenigen Takten weiß, wohin die Reise geht. Sweets, das neue Album der Winston Brothers, gehört für mich eindeutig in diese Kategorie. Satte Grooves, treibende Rhythmen und ein tief in den Siebzigerjahren verwurzelter Funk-Sound, der dennoch alles andere als angestaubt klingt. Ein ausgesprochen starkes Instrumentalalbum, das vom ersten Moment an richtig Spaß macht und mich persönlich sofort abgeholt hat...  Was die Winston Brothers hier abliefern, ist Funk auf einem bemerkenswert hohen musikalischen Niveau. Besonders die hervorragende Rhythmusarbeit hat es mir angetan. Lucas Kochbeck liefert am Schlagzeug eine ausgesprochen starke Vorstellung ab und sorgt mit seinem druckvollen, präzisen und zugleich ungemein lässigen Spiel für das rhythmische Fundament. Überhaupt überzeugt das Zusammenspiel der Musiker auf ganzer Linie. Hier sitzt jeder Groove, ohne dass die Musik dabei auch nur ansatzweise steril oder überproduziert wirkt. Stilis...
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John Coltrane – Plays the Blues |Jazz Images | 2017 | Vinyl, LP, 180 g, Gatefold | 37042

Es muss nicht immer der revolutionäre, kompromisslose und nach neuen Ausdrucksformen suchende John Coltrane sein. Manchmal genügt es vollkommen, diesem außergewöhnlichen Musiker dabei zuzuhören, wie er sich auf seine musikalischen Wurzeln besinnt. Plays the Blues ist dafür ein wunderbares Beispiel. Ein wunderschönes, in sich geschlossenes Album, das bei aller improvisatorischen Raffinesse vor allem eines ist: eine tief im Blues verwurzelte Jazzplatte...  Aufgenommen am 24. Oktober 1960 in den Atlantic Studios in New York, erschien das Album erst 1962. Coltrane befand sich damals in einer musikalisch ausgesprochen spannenden Phase. Mit Giant Steps hatte er bereits eindrucksvoll demonstriert, wie weit sich harmonische Strukturen ausreizen ließen, während sich mit My Favorite Things zunehmend neue, modale Ausdrucksmöglichkeiten abzeichnete..  Begleitet wird er von McCoy Tyner am Klavier, Steve Davis am Kontrabass und Elvin Jones am Schlagzeug. Eine Besetzung, die bereits wesentli...

Soho Scene – Jazz Goes Mod: Als der Jazz den Sound Londons bestimmte

Eine musikalische Zeitreise durch Soho, die frühen Modernists und die britische Jazzszene zwischen 1957 und 1968...  London, Ende Mai im Jahr 2024. Ich sitze vormittags in der Bar Italia in Soho, London, und genehmige mir mit zwei Freunden einen Kaffee, um mich für die anstehende Tour durch die dort ansässigen Vinylshops zu rüsten...  Mein Blick wandert rüber zum wohl berühmtesten Jazzclub Europas, dem Ronnie Scott’s Jazz Club. So unscheinbar, wie er geschlossen an einem Vormittag nur erscheinen kann, regt er mich dennoch zu einem gedankenversunkenen Exkurs an, der sich über die Dauer des Genusses einer Tasse Kaffee in der kaum weniger legendären Eisdiele im Londoner West End erstreckt… Miles Davis, Art Blakey, Sonny Rollins, Ella Fitzgerald, Thelonious Monk, Tubby Hayes, Dizzy Gillespie, Gergie Fame – was für Namen, die hier schon auf der Bühne gestanden haben. Was für Abende müssen das gewesen sein! Und während ich an meinem Kaffee nippe, versuche ich mir vorzus...

Soulport Universe Vol. 1 – Eine verdammt gute Portion Soul und Funk - Various Artists | Soulport Records | VÖ: 15.10.2026

Es gibt diese Platten, bei denen man schon nach wenigen Minuten merkt, dass da etwas Besonderes im Gange ist. Nicht unbedingt etwas vollkommen Neues, denn Soul und Funk müssen nun wirklich nicht ständig neu erfunden werden. Vielmehr geht es darum, wie man diese Musik spielt, wie sie klingt und ob die beteiligten Musiker tatsächlich ein Gefühl dafür haben. Und genau da hat mich „Soulport Universe Vol. 1“ ziemlich schnell gepackt... Soulport Records ist ein noch recht junges Label aus Sulzbach bei Frankfurt, hinter dem Marcel Bach steckt, der selbst unter dem Namen Miles King musikalisch aktiv ist. Angefangen hat das Ganze in einem improvisierten Studio in einem alten Partykeller. Eine Achtspur-Bandmaschine, ein paar befreundete Musiker und offensichtlich jede Menge Begeisterung für klassische Soulmusik. Inzwischen ist daraus ein beachtliches Netzwerk entstanden, dessen erste Jahre mit dieser Compilation dokumentiert werden... Vierzehn Stücke, unterschiedliche Künstler und Ba...

SLADEK – Blame It All On You / What Are You Doing? || 7" | SLDK Records | SLDK-009 | 2026

Manchmal reichen fünf Minuten. Zwei Songs, eine 7-Inch – und die Gewissheit, dass eine Band ziemlich genau weiß, wo sie hinwill. SLADEK haben bei mir bereits mit "Things Gotta Change" ( ebenfalls hier im Blog besprochen ) einen ausgesprochen guten Eindruck hinterlassen. Das österreichische Trio verstand es darauf, klassischen Soul nicht einfach zu reproduzieren, sondern mit viel Gespür für Groove, Dynamik und Arrangements in die Gegenwart zu holen. Mit „Blame It All On You“ / „What Are You Doing?“ legen SLADEK nun eine Single nach, die diesen Weg konsequent weitergeht – und für meinen Geschmack sogar noch einmal eine Schippe drauflegt...  „Blame It All On You“ ist mit seinen 2:45 Minuten nahezu perfektes Single-Material: federnd, leichtfüßig und unmittelbar, mit einem Groove, der sich ziemlich schnell festsetzt. Warm und organisch produziert, aber ohne den bemühten Vintage-Gestus, der einem bei zeitgenössischem Retro-Soul gelegentlich begegnet...  Und dann ist da ...

SAINT ETIENNE – FOR THE (ALMOST) VERY LAST TIME || Cambridge Corn Exchange, 26.09.2026 [Gastbeitrag: K. Ahland]

Saint Etienne … wo fang ich an? Unterm Strich wahrscheinlich, neben den Beatles, die wichtigste britische Band in meinem Leben. Ganz sicher die wichtigste zu meinen Lebzeiten. Zum ersten Mal auf sie aufmerksam wurde ich durch einen Artikel in der Spex vom Juni 1991. Ihr Konzept war ähnlich der ursprünglichen Idee hinter The Style Council: ein loses Kollektiv mit wechselnden Sängerinnen und Bob Stanley und Pete Wiggs als konstantem Kern. Im Übrigen sahen die beiden Jungs, fand ich, verdammt „Mod“ aus. Und genau so habe ich sie auch über 35 Jahre hinweg betrachtet. Es gibt „orthodoxe“ Mods, die nichts, was stilistisch nach ’66 kam, gelten lassen. „Falsch“, fand ich schon immer. Frischer Wind wie Madchester Rave, Acid Jazz oder Britpop waren immer willkommen, und so auch der Indie-Dance-Beat von Saint Etienne. Im gleichen Jahr, 1991, erschien auch das Debütalbum „Foxbase Alpha“ auf Heavenly, das ich mir frisch aus London mit nach Hause brachte. Inzwischen war längs...