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Posts mit dem Label "Rezension" werden angezeigt.

Zwischen Stillstand und leiser Bewegung - Provinz als Zustand: Maik Brüggemeyer – Wie jeder weiß, ist das hier das Nirgendwo (Ventil Verlag, 2025)

Maik Brüggemeyer ist kein Autor, der sich hinter stilistischen Manierismen versteckt. Bekannt geworden als präziser Beobachter von Popkultur und Musik – unter anderem für Magazine wie Rolling Stone oder Die Zeit – bringt er in seinem literarischen Debüt genau diese analytische Schärfe mit, ohne gleich ins Dozierende abzurutschen. Stattdessen schreibt er mit einer beiläufigen Souveränität, die aus eigener Erfahrung gespeist ist. Journalistisch geschult, aber literarisch verdichtet. Brüggemeyer versteht Rhythmus, nicht nur in Musik, sondern prächtigerweise für alle Leser auch im Erzählen...  "Wie jeder weiß, ist das hier das Nirgendwo" ist ein Roman, der sich bewusst gegen große Gesten entscheidet. Stattdessen entfaltet er seine Wirkung über Atmosphäre, über das Unausgesprochene, über Zwischenräume. Der Schauplatz – eine westdeutsche Provinz, die gleichermaßen vertraut wie entrückt wirkt – ist dabei weniger Kulisse als Zustand. Hier verdichtet sich ein Lebensgefühl ...

The Fisherman And His Soul - Just Because // VÖ on Bandcamp 25.02.2022

Da wo Indie nicht nur eine rein plakative Genre-Bezeichnung geworden ist, sondern schlichtweg Alltag und eine unglaublich große Leidenschaft den Antrieb dafür liefert eine solch wunderbare Platte zu kreieren, da sind Menschen wie Sebastian Voss am Werk. Die treibende Kraft und der Mastermind hinter dem Bandprojekt "The Fisherman And His Soul" hat mit dem Mini-Album "Just Because" einen weiteren Beleg dafür geliefert, das Popmusik nicht ausschließlich am Reißbrett entstehen muß, um solche schönen Indiepop-Perlen in die Welt und an den geneigten Hörer zu bringen. Natürlich ist das keine wirklich neue Erkenntnis und dennoch kann es nicht oft genug betont werden. Wobei mein persönlicher Favorit mit dem britpoppig-pubrockigen Rumbler "Fish And Chips And Custom Duty" schnell gefunden war. Was für ein herrlich-cockneytiver Singalong-Stampfer, den man wirklich immer so laut es geht hören sollte... Bei dem Song wirkt übrigens tatsächlich MTV-Legende Steve Blame mit...

Mod Jazz-Compilations from Kent Records (Ace Records) 1996 - 2018

B etrachtet man die Wortschöpfung, die diesem Artikel zugrunde liegt und die in ihm zu besprechende Albenreihe mal dialektisch, kann hier der Erkenntnisgewinn, dass beim ModJazz das zusammengesetzt wurde, was auch zusammen gehört, kaum widersprochen werden. Laut der Beschreibung des Begriffs Dialektik auf Wikipedia [ link ] , " erhebt die Synthese das Einzelne auf die Stufe des Allgemeinen, das Konkrete auf die des Abstrakten, sie fasst das Mannigfaltige zu einer Einheit zusammen ". Und damit kann man es kaum treffender beschreiben. Die Ende der 50er Jahre entstandene Mod-Bewegung hat ihre Wurzeln in einer wohl in London entstandenen Subkultur, die als Modernisten bezeichnet wurde. Nicht zuletzt auch, weil sie modernen Jazz hörten. Wobei der eigentliche Neologismus der hier angedeutet wird, wohl in seiner jetzigen Bedeutung erst viel später zum tragen kam. Denn Modern Jazz muß nicht zwangsläufig ModJazz sein. Mods hören heute natürlich auch nicht nur Jazz, w...