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Posts mit dem Label "Ventil Verlag" werden angezeigt.

Gefährlich, dilettantisch, großartig. Und mehr als Deutschpunk: „Angriff aufs Schlaraffenland - Ein Deutschpunk Mixtape“ gräbt tief in den wilden Widersprüchen der Subkultur - (2026 | Tapete Records [Doppelalbum, VÖ: 22.05.2026] / Ventil Verlag [Buch, Jonas Engelmann (Hg.) VÖ: 22.05.2026])

Geschichte zu erklären, gerade die des Phänomens "Punk", gab es bereits viele. Dabei gute und schlechte. Und es gibt solche, die Geschichte wieder atmen lassen. „Angriff aufs Schlaraffenland“ gehört ziemlich eindeutig zur zweiten Kategorie. Das Projekt – bestehend aus dem gleichnamigen Doppelalbum auf Tapete Records und dem begleitenden Buch aus dem Ventil Verlag – ist weder nostalgische Deutschpunk-Verklärung noch akademische Rückschau aus sicherer Distanz. Eher fühlt sich das Ganze an wie ein großer, leicht chaotischer WG-Küchentisch voller alter Singles, Fanzines, Konzertzettel, Diskussionen und Erinnerungen. Genau darin liegt die Stärke dieses Projekts... Wer Anfang oder Mitte der Achtziger selbst irgendwie mit Punk, Postpunk, NDW-Untergrund oder den schrägen Randbereichen zwischen besetzten Häusern und Dorfpunk, AJZs und Schützenhallen, Tape-Szene, Plattenläden und linken Jugendzentren sozialisiert wurde, erkennt hier sehr schnell etwas wieder, das in viele...

Zwischen Stillstand und leiser Bewegung - Provinz als Zustand: Maik Brüggemeyer – Wie jeder weiß, ist das hier das Nirgendwo (Ventil Verlag, 2025)

Maik Brüggemeyer ist kein Autor, der sich hinter stilistischen Manierismen versteckt. Bekannt geworden als präziser Beobachter von Popkultur und Musik – unter anderem für Magazine wie Rolling Stone oder Die Zeit – bringt er in seinem literarischen Debüt genau diese analytische Schärfe mit, ohne gleich ins Dozierende abzurutschen. Stattdessen schreibt er mit einer beiläufigen Souveränität, die aus eigener Erfahrung gespeist ist. Journalistisch geschult, aber literarisch verdichtet. Brüggemeyer versteht Rhythmus, nicht nur in Musik, sondern prächtigerweise für alle Leser auch im Erzählen...  "Wie jeder weiß, ist das hier das Nirgendwo" ist ein Roman, der sich bewusst gegen große Gesten entscheidet. Stattdessen entfaltet er seine Wirkung über Atmosphäre, über das Unausgesprochene, über Zwischenräume. Der Schauplatz – eine westdeutsche Provinz, die gleichermaßen vertraut wie entrückt wirkt – ist dabei weniger Kulisse als Zustand. Hier verdichtet sich ein Lebensgefühl ...

Was reimt sich auf Arsxxloch?: Battle Rap - Die Kunst der Beleidigung, von Rafael Schmauch [Ventil Verlag, 2025, ISBN 978-3-95575-238-5]

Rafael Schmauchs "Battle Rap - Die Kunst der Beleidigung" bietet einen faszinierenden Einblick in die Welt des Battle Rap. Für Leser, die wie ich bisher nur oberflächliche Berührungspunkte mit dieser Subkultur hatten – beispielsweise durch YouTube-Videos – öffnet das Buch eine Tür zu einer Szene, die von sprachlicher Akrobatik, scharfzüngigem Witz und einer einzigartigen Form des verbalen Wettkampfs geprägt ist. Schmauch, auch bekannt als Papi Schlauch, ist ein Kenner der Materie. Sein Buch ist reich an Details und zeugt von einem tiefen Verständnis für die Geschichte, die Regeln und die Protagonisten des deutschen Battle Rap. Er nimmt den Leser mit auf eine Reise von den Anfängen bei "Feuer über Deutschland" bis hin zu den heutigen Hype-Events...  Die Beschreibungen der einzelnen Battles sind lebendig und vermitteln ein Gefühl für die Energie und die Spannung, die diese Veranstaltungen ausmachen. Gerade diese Detailtreue, die das Buch so informativ mach...