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Mark Pringle - New Customers [VÓ: 12.12.2025 || Boomslang Records]

"Oh, Alien Sex Fiend machen jetzt Jazz" - das war mein erster Gedanke beim ersten Hören des Titeltracks von Mark Pringles neuen Album "New Customers". Und das ist durchaus nicht negativ gemeint, denn ich liebe Alien Sex Fiend, und ich liebe Jazz. In nahezu allen Ausprägungen. Und eben auch wenn es sich, wie in diesem Fall, meiner Ansicht nach schon um schwer verdauliche Kost handelt, die ich eher in den Bereich Kunstmusik buxieren würde. So eine Scheibe muß man hören wollen... Und gut! Da ist der britische Berliner mit seiner Crew bei mir doch genau auf den Richtigen gestoßen. In der richtigen Stimmung und mit der gleichen Chuzpe angetreten, wie die doch recht hochkarätig besetzte Formation, habe ich mich durch das von Ton zu Ton immer stimmiger werdende Werk treiben lassen. Irgendwas muß ja auch dran sein, an einem Musiker, der immerhin für den deutschen Jazzpreis nominiert wurde... Und in der Tat, fängt das Album irgendwann an, an meine musikempfindlic...
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Deadeye - In Orbit [VÖ: 22.11.2025 | Budapest Music Center Records]

"In Orbit", bereits am 21.11.2025 veröffentlicht, ist Deadeyes dritte Veröffentlichung und wirkt wie ein Update der klassischen Hammond-Gitarre-Drums-Formel. Nicht als Retro-Statement, sondern als Labor, in dem Jazzrock-Energie, Delta-Blues-Schwere, britische Folk-Schatten und moderne Klassik ganz selbstverständlich zusammenfinden. Aufgenommen in Köln im Salon de Jazz und in Berlin gemastert, bleibt der Sound angenehm „in the room“. Viel Luft um die Hammond, eine Gitarre, die auch bei dichten Voicings nicht zum Teppich verklebt, und Drums, die Attack liefern, ohne Details plattzudrücken. Bei knapp 39 Minuten (38:53) entsteht ein Albumfluss, der weniger über „Themen“ als über Reibung funktioniert: kleine Tempowechsel, absichtsvoll kantige Übergänge, dann wieder Momente, in denen sich alles wie von selbst in eine dunkle, schwebende Ruhe zieht... Reinier Baas hat sich in der niederländischen Szene u.a. im Duo mit Ben van Gelder sowie in Projekten wie Bughouse/Paradox...

Statement gegen Glätte: D/Troit - The Whammy Session [Crunchy Frog | VÖ: 30.10.2025]

Mit The Whammy Session legt D/Troit ein Album vor, das weniger auf klassische Songdramaturgie als auf performative Energie setzt. Schon der Titel deutet an, das es sich hier um ein live und in einem Take eingespieltes Album (besser gesagt eine EP) handelt und um die ästhetische Entscheidung, diese Experimente nicht zu glätten, sondern hörbar roh zu belassen...  Musikalisch bewegt sich das Album, ähnlich dem kürzlich hier noch besprochenen  dritten Studiowerk, in einem Spannungsfeld aus klassischem Soul-Fundament, improvisatorischer Offenheit und einer deutlichen Affinität zu Funk, R&B und Rock'n'Roll. Genau hier liegt eine der Stärken der Platte: Trotz der Livesituation klingt das Zusammenspiel der Musiker wie in einem Studio eingespielt, nur das der Sound eindeutig rauer und direkter rüber kommt...  Im Kontext der bisherigen Veröffentlichungen von D/Troit wirkt The Whammy Session wie eine bewusste Fokussierung. Wo frühere Arbeiten stärker zwischen Songfor...

33rpmPVC – Top Fifteen Alben des Jahres 2025

Auch 2025 war kein Jahr für schnelle Urteile. Viele dieser hier aufgelisteten Platten haben Zeit gebraucht, einige haben sofort gezündet, andere sich erst mit jeder weiteren Umdrehung auf dem Plattenteller bei mir festgesetzt. Es gab noch eine ganze Reihe weiterer Scheiben, die hierfür zur Debatte standen. Aber letztlich bin ich mit der Auswahl und auch der Rangfolge recht zufrieden... Hier sind sie – 33rpmpvc's fünfzehn Alben des Jahres 2025:  15 – Nichts – Tiefschwarz Düster, kantig, kompromisslos und immer noch relevant. Kein Wohlfühl-Post-Punk, sondern klare Ansagen und härter als je zuvor. Kein Album für jeden Tag – aber eines, das hängen bleibt, wenn man es zulässt...  14 – Kokoroko – Tuff Times Never Last Kokoroko bleiben ihrer Linie treu, ohne sich zu wiederholen. Warm, organisch, weltoffen, mit deutlich mehr Soul und Funk als beim Debüt. Starkes Statement und ein Album mit Langstreckenqualitäten...  13 – Simon Oslender – On A Roll Live Live-Alben sind...

Johannes Arzberger – Rebirth (28. Nov 2025, Block Opera)

Johannes Arzbergers Rebirth ist kein bloßes Album, sondern moderner Jazz der radikal Grenzen auslotet und dabei bewusst genreübergreifend arbeitet. Auf den dreizehn Instrumentalstücken verschmilzt der in Braunschweig stationierte Pianist, Komponist und Produzent die organische Sprache des Jazz mit Elementen aus Hip-Hop, IDM und Trip-Hop, ohne den roten Faden seiner musikalischen Vision zu verlieren. Arzberger tritt hier auch durchaus - auch qualitativ - in die Fußstapfen von Kollegen des Formats Madlib... Wundern sollte dies eine nicht unbedingt, denn Arzberger, der auf eine solide klassische Ausbildung zurückblickt, hat jahrelange Erfahrung als Begleiter und Komponist u. a. für deutschsprachige Hip-Hop-Acts. Er nutzt auf Rebirth ein breit gefächertes Instrumentarium von Vintage-Synths über modulare Sounds bis zu perkussiven Texturen. Seine klanglichen Experimente entfalten eine bemerkenswerte Plastizität: feine Nuancen, Raumeffekte und subtile Texturverschiebungen lassen s...

Würdevolle Rückkehr einer französischen New-Wave-Instanz: Martin Dupont – You Smile When It Hurts (05.12.2025, Caravane)

Auf You Smile When It Hurts melden sich Martin Dupont, die längst kultisch verehrte Ikone der französischen New-Wave-Szene der frühen Achtziger, mit einem Studioalbum zurück, das sowohl retrospektiv als auch unerschrocken modern klingt. Die Band um Alain Seghir und Beverley Jane Crew, die in Marseille einst einen eigenen melodischen, zugleich kühlen Sound zwischen Post-Punk, minimalistischer Elektronik und poetischer Melancholie entwickelte, hat in den letzten Jahren durch Reissues und Tribute-Adaptionen wieder an Bedeutung gewonnen – nun knüpft dieses neue Werk organisch an ihr Erbe an, ohne es bloß zu reproduzieren...  Die Vinyl-Ausgabe legt dabei den Fokus auf reich gewebte Klangflächen: Analoge Synthesizer begegnen klassischen Instrumenten und zeitgenössischer Produktion, Stimmen und Arrangements verweben sich zu einem dichten, emotionalen Texturspiel. Auf meinem eigenen Plattenspieler offenbart You Smile When It Hurts eine Tiefe, die im Vergleich zu früheren Alb...