Geschichte zu erklären, gerade die des Phänomens "Punk", gab es bereits viele. Dabei gute und schlechte. Und es gibt solche, die Geschichte wieder atmen lassen. „Angriff aufs Schlaraffenland“ gehört ziemlich eindeutig zur zweiten Kategorie. Das Projekt – bestehend aus dem gleichnamigen Doppelalbum auf Tapete Records und dem begleitenden Buch aus dem Ventil Verlag – ist weder nostalgische Deutschpunk-Verklärung noch akademische Rückschau aus sicherer Distanz. Eher fühlt sich das Ganze an wie ein großer, leicht chaotischer WG-Küchentisch voller alter Singles, Fanzines, Konzertzettel, Diskussionen und Erinnerungen. Genau darin liegt die Stärke dieses Projekts... Wer Anfang oder Mitte der Achtziger selbst irgendwie mit Punk, Postpunk, NDW-Untergrund oder den schrägen Randbereichen zwischen besetzten Häusern und Dorfpunk, AJZs und Schützenhallen, Tape-Szene, Plattenläden und linken Jugendzentren sozialisiert wurde, erkennt hier sehr schnell etwas wieder, das in viele...
Faces von Kateryna Kravchenko und Arthur Clees gehört zu den Alben, die weniger auftreten als vielmehr erscheinen. Das Debüt des ukrainisch-luxemburgischen Duos bewegt sich fernab klassischer Jazzkonventionen und entwickelt aus der ungewöhnlichen Kombination von Stimme und Vibraphon eine stille, beinahe schwebende Intensität. Was zunächst reduziert wirkt, entfaltet mit zunehmender Laufzeit eine bemerkenswerte emotionale Tiefe... Kravchenko, die sich bereits in der europäischen Jazz- und Improvisationsszene einen Namen als experimentierfreudige Sängerin zwischen zeitgenössischem Jazz, klassischer Vokalkunst und freier Improvisation gemacht hat, trifft hier auf den Vibraphonisten Arthur Clees, dessen Spiel weniger rhythmische Funktion übernimmt als vielmehr Räume öffnet. Gemeinsam erschaffen beide eine Musik, die eher Atmosphäre als Dramaturgie sucht – und gerade dadurch nachhaltig wirkt... Faces lebt von Transparenz, Klangfarben und kontrollierter Zurückhaltung. D...