Direkt zum Hauptbereich

Posts

latest news...

MF Doom – MM..Food [2020 – US – Reissue – LP Green and Pink Vinyl Rhymesayers Entertainment – RSE0084-1]

Schmatzen, süffige Beats und ein maskierter Supervillain am Küchentisch – MF DOOMs MM..Food ist alles andere als ein gewöhnliches Hip-Hop-Album. Der 2004 erschienene Underground-Klassiker wurde 2020 endlich in einer aufwendigen Vinyl-Neuauflage wiederveröffentlicht, aufgeteilt auf zwei farbige LPs (giftgrün und pink) im stilechten „Food“-Design. Bereits das originelle Wortspiel im Titel (ein Anagramm seines Künstlernamens) deutet an, was einen erwartet: Ein Konzeptalbum rund ums Essen, serviert vom wohl mysteriösesten Charakter des Hip-Hop-Undergrounds...  MF DOOM, bürgerlich Daniel Dumile, hatte sich nach frühen Erfolgen und Schicksalsschlägen (zunächst als Teil der Gruppe KMD) Ende der 90er als maskierter Einzelgänger in der Szene zurückgemeldet. Sein Comeback-Album Operation: Doomsday (1999) etablierte ihn schlagartig als Legende des Underground-Rap mit unverkennbarem Stil. In den Jahren 2003/2004 folgte eine kreative Hochphase: Neben Kollabo-Meisterwerken wie Madvil...
Letzte Posts

Ken McIntyre With Eric Dolphy – Looking Ahead (25.07.2025, Prestige/New Jazz – OJC Series)

Manche Debüts wirken im Rückspiegel wie eine Weggabelung – nicht, weil sie laut „Revolution“ rufen, sondern weil sie eine neue Grammatik andeuten. Looking Ahead gehört genau in diese Kategorie: aufgenommen am 28. Juni 1960 im Van-Gelder-Studio in Englewood Cliffs und Anfang 1961 auf New Jazz veröffentlicht, produziert von Esmond Edwards. Das Album dokumentiert Ken McIntyre in einem Moment, in dem Kompositionsdisziplin und die aufbrechende Sprache der frühen 60er nicht gegeneinander arbeiten, sondern sich gegenseitig schärfen...  McIntyre (später aka Makanda) war nie „nur“ Altsaxofonist: als Multiinstrumentalist und Komponist – und später als prägender Pädagoge, der u. a. 1971 an der SUNY Old Westbury ein African American Music Program gründete – denkt er strukturell, ohne die Spontaneität zu beschneiden. Eric Dolphy wiederum war zu diesem Zeitpunkt bereits eine Art Katalysator: ein Multiinstrumentalist, der auf Alto, Flöte und vor allem Bassklarinette das Vokabular de...

Havanna bei Nacht: Roberto Fonseca & Vincent Segal - Nuit Parisienne à La Havane [Artwork Records / VÖ: 30.01.2026]

„Besuchen Sie Havanna, solange es noch steht“ … In Abwandlung des 80er-NDW-Hits der Band Geiersturzflug und der derzeitigen Weltlage um die Ambitionen des zwar geistig auf dem Niveau eines Vorgartenzwergs feststeckenden, aber im Besitz geballter militärischer Macht befindlichen orangenen Imperators aus dem Weißen Haus ist diese Frage gar nicht so unberechtigt und eigentlich auch nicht so lustig, wie es sich hier anhören soll. Aber genug des Exkurses, den ich mir hier nicht verkneifen konnte. Also Stichwort: Eine Pariser Nacht in Havanna … Der kubanische Pianist Roberto Fonseca, bekannt als ein ehemaliges Mitglied des Buena Vista Social Clubs und diverser Kollaborationen mit zum Beispiel Herbie Hancock, Esperanza Spalding oder auch Gilles Peterson, hat sich mit dem renommierten französischen Cellisten Vincent Segal, der bereits auch Zusammenarbeiten mit Elvis Costello und Ibrahim Maalouf vorweisen kann, zusammengeschlossen und diesen intimen musikalischen Dialog geschaffen …...

Mark Pringle - New Customers [VÓ: 12.12.2025 || Boomslang Records]

"Oh, Alien Sex Fiend machen jetzt Jazz" - das war mein erster Gedanke beim ersten Hören des Titeltracks von Mark Pringles neuen Album "New Customers". Und das ist durchaus nicht negativ gemeint, denn ich liebe Alien Sex Fiend, und ich liebe Jazz. In nahezu allen Ausprägungen. Und eben auch wenn es sich, wie in diesem Fall, meiner Ansicht nach schon um schwer verdauliche Kost handelt, die ich eher in den Bereich Kunstmusik buxieren würde. So eine Scheibe muß man hören wollen... Und gut! Da ist der britische Berliner mit seiner Crew bei mir doch genau auf den Richtigen gestoßen. In der richtigen Stimmung und mit der gleichen Chuzpe angetreten, wie die doch recht hochkarätig besetzte Formation, habe ich mich durch das von Ton zu Ton immer stimmiger werdende Werk treiben lassen. Irgendwas muß ja auch dran sein, an einem Musiker, der immerhin für den deutschen Jazzpreis nominiert wurde... Und in der Tat, fängt das Album irgendwann an, an meine musikempfindlic...

Deadeye - In Orbit [VÖ: 22.11.2025 | Budapest Music Center Records]

"In Orbit", bereits am 21.11.2025 veröffentlicht, ist Deadeyes dritte Veröffentlichung und wirkt wie ein Update der klassischen Hammond-Gitarre-Drums-Formel. Nicht als Retro-Statement, sondern als Labor, in dem Jazzrock-Energie, Delta-Blues-Schwere, britische Folk-Schatten und moderne Klassik ganz selbstverständlich zusammenfinden. Aufgenommen in Köln im Salon de Jazz und in Berlin gemastert, bleibt der Sound angenehm „in the room“. Viel Luft um die Hammond, eine Gitarre, die auch bei dichten Voicings nicht zum Teppich verklebt, und Drums, die Attack liefern, ohne Details plattzudrücken. Bei knapp 39 Minuten (38:53) entsteht ein Albumfluss, der weniger über „Themen“ als über Reibung funktioniert: kleine Tempowechsel, absichtsvoll kantige Übergänge, dann wieder Momente, in denen sich alles wie von selbst in eine dunkle, schwebende Ruhe zieht... Reinier Baas hat sich in der niederländischen Szene u.a. im Duo mit Ben van Gelder sowie in Projekten wie Bughouse/Paradox...

Statement gegen Glätte: D/Troit - The Whammy Session [Crunchy Frog | VÖ: 30.10.2025]

Mit The Whammy Session legt D/Troit ein Album vor, das weniger auf klassische Songdramaturgie als auf performative Energie setzt. Schon der Titel deutet an, das es sich hier um ein live und in einem Take eingespieltes Album (besser gesagt eine EP) handelt und um die ästhetische Entscheidung, diese Experimente nicht zu glätten, sondern hörbar roh zu belassen...  Musikalisch bewegt sich das Album, ähnlich dem kürzlich hier noch besprochenen  dritten Studiowerk, in einem Spannungsfeld aus klassischem Soul-Fundament, improvisatorischer Offenheit und einer deutlichen Affinität zu Funk, R&B und Rock'n'Roll. Genau hier liegt eine der Stärken der Platte: Trotz der Livesituation klingt das Zusammenspiel der Musiker wie in einem Studio eingespielt, nur das der Sound eindeutig rauer und direkter rüber kommt...  Im Kontext der bisherigen Veröffentlichungen von D/Troit wirkt The Whammy Session wie eine bewusste Fokussierung. Wo frühere Arbeiten stärker zwischen Songfor...