Mit seinem zweiten Album "All The Others" festigt der junge Pforzheimer Trompeter Jakob Bänsch seinen Platz in der neuen Generation des europäischen Jazz. Nach seinem vielbeachteten Debüt liefert er hier eine ausgereifte, klanglich wie kompositorisch ambitionierte Platte ab, die gerade auf Vinyl besonders lebendig wirkt. Das Album, erschienen bereits am 28. Februar 2025 beim deutschen Label Jazzline und besticht durch eine Mischung aus lyrischer Melancholie und rhythmischer Intensität – und beweist, dass Bänsch nicht nur ein begnadeter Instrumentalist, sondern auch ein feinsinniger Geschichtenerzähler ist...
Gleich der erste Track "Ouverture", prägt den Ton: Eine sphärische, fast filmbegleitend wirkende Einleitung, in der Bänschs Trompete dann wie eine einsame Stimme durch schwebende Klangteppiche aus Piano und subtilem Schlagwerk schneidet. Die Feinheit der Vinyl-Pressung kommt hier voll zur Geltung – jedes Detail, vom Anblasgeräusch bis zum Nachhall der Becken, wirkt plastisch und nahbar. Man spürt fast die Räumlichkeit des Studios, als säße man selbst zwischen den Musikern...
Bänsch, der dem modernen Jazz verpflichtet ist, ohne sich dabei in Nostalgie zu verlieren, überzeugt durch ausbalancierte Arrangements. Tracks wie "Mephisto" oder "Kaonashi" zeigen sein Gespür für Spannungsbögen: Mal treibt ihn das Schlagzeug voran, mal zerfließt die Musik in freieren Passagen, ohne je die Struktur zu verlieren. Die Vinylversion unterstreicht diese Dynamik noch – die Bässe sind füllig, ohne zu dröhnen, die Höhen klar, aber nicht scharf. Ein Album, welches für unseren Lieblings-Tonträger wie gemacht ist...
Bänschs Herkunft aus Pforzheim mag überraschen – die Stadt ist nicht gerade als Jazz-Hochburg bekannt. Doch vielleicht erklärt das seine unprätentiöse Herangehensweise: Hier wird nicht mit Avantgarde-Exzessen geprotzt, sondern mit handwerklicher Perfektion und emotionaler Tiefe gearbeitet. Sein Sextett (Bänsch, tr - Roever, pi - Obleser, b - Asal, dr - Zirina, gi - Jasinska, voc) agiert hierbei wie eine eingeschworene Einheit.
"All The Others" ist ein Album, das sich Zeit nimmt – und genau das macht es so lohnenswert. Die Pressung des hier vorliegenden Vinyls ist sauber, das Cover-Design schlicht elegant. Bänsch beweist, dass er kein Eintagsfliege der deutschen Jazzszene ist, sondern ein Künstler mit Haltung und Vision. Wer Jazz liebt, sollte zugreifen – egal, ob auf Platte oder CD. Aber die schwarze Scheibe entfaltet einfach mehr Magie. Ein Tipp für Jazzpuristen und Neugierige gleichermaßen...