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Statement gegen Glätte: D/Troit - The Whammy Session [Crunchy Frog | VÖ: 30.10.2025]

Mit The Whammy Session legt D/Troit ein Album vor, das weniger auf klassische Songdramaturgie als auf performative Energie setzt. Schon der Titel deutet an, das es sich hier um ein live und in einem Take eingespieltes Album (besser gesagt eine EP) handelt und um die ästhetische Entscheidung, diese Experimente nicht zu glätten, sondern hörbar roh zu belassen...  Musikalisch bewegt sich das Album, ähnlich dem kürzlich hier noch besprochenen  dritten Studiowerk, in einem Spannungsfeld aus klassischem Soul-Fundament, improvisatorischer Offenheit und einer deutlichen Affinität zu Funk, R&B und Rock'n'Roll. Genau hier liegt eine der Stärken der Platte: Trotz der Livesituation klingt das Zusammenspiel der Musiker wie in einem Studio eingespielt, nur das der Sound eindeutig rauer und direkter rüber kommt...  Im Kontext der bisherigen Veröffentlichungen von D/Troit wirkt The Whammy Session wie eine bewusste Fokussierung. Wo frühere Arbeiten stärker zwischen Songfor...

33rpmPVC – Top Fifteen Alben des Jahres 2025

Auch 2025 war kein Jahr für schnelle Urteile. Viele dieser hier aufgelisteten Platten haben Zeit gebraucht, einige haben sofort gezündet, andere sich erst mit jeder weiteren Umdrehung auf dem Plattenteller bei mir festgesetzt. Es gab noch eine ganze Reihe weiterer Scheiben, die hierfür zur Debatte standen. Aber letztlich bin ich mit der Auswahl und auch der Rangfolge recht zufrieden... Hier sind sie – 33rpmpvc's fünfzehn Alben des Jahres 2025:  15 – Nichts – Tiefschwarz Düster, kantig, kompromisslos und immer noch relevant. Kein Wohlfühl-Post-Punk, sondern klare Ansagen und härter als je zuvor. Kein Album für jeden Tag – aber eines, das hängen bleibt, wenn man es zulässt...  14 – Kokoroko – Tuff Times Never Last Kokoroko bleiben ihrer Linie treu, ohne sich zu wiederholen. Warm, organisch, weltoffen, mit deutlich mehr Soul und Funk als beim Debüt. Starkes Statement und ein Album mit Langstreckenqualitäten...  13 – Simon Oslender – On A Roll Live Live-Alben sind...

Johannes Arzberger – Rebirth (28. Nov 2025, Block Opera)

Johannes Arzbergers Rebirth ist kein bloßes Album, sondern moderner Jazz der radikal Grenzen auslotet und dabei bewusst genreübergreifend arbeitet. Auf den dreizehn Instrumentalstücken verschmilzt der in Braunschweig stationierte Pianist, Komponist und Produzent die organische Sprache des Jazz mit Elementen aus Hip-Hop, IDM und Trip-Hop, ohne den roten Faden seiner musikalischen Vision zu verlieren. Arzberger tritt hier auch durchaus - auch qualitativ - in die Fußstapfen von Kollegen des Formats Madlib... Wundern sollte dies eine nicht unbedingt, denn Arzberger, der auf eine solide klassische Ausbildung zurückblickt, hat jahrelange Erfahrung als Begleiter und Komponist u. a. für deutschsprachige Hip-Hop-Acts. Er nutzt auf Rebirth ein breit gefächertes Instrumentarium von Vintage-Synths über modulare Sounds bis zu perkussiven Texturen. Seine klanglichen Experimente entfalten eine bemerkenswerte Plastizität: feine Nuancen, Raumeffekte und subtile Texturverschiebungen lassen s...

Würdevolle Rückkehr einer französischen New-Wave-Instanz: Martin Dupont – You Smile When It Hurts (05.12.2025, Caravane)

Auf You Smile When It Hurts melden sich Martin Dupont, die längst kultisch verehrte Ikone der französischen New-Wave-Szene der frühen Achtziger, mit einem Studioalbum zurück, das sowohl retrospektiv als auch unerschrocken modern klingt. Die Band um Alain Seghir und Beverley Jane Crew, die in Marseille einst einen eigenen melodischen, zugleich kühlen Sound zwischen Post-Punk, minimalistischer Elektronik und poetischer Melancholie entwickelte, hat in den letzten Jahren durch Reissues und Tribute-Adaptionen wieder an Bedeutung gewonnen – nun knüpft dieses neue Werk organisch an ihr Erbe an, ohne es bloß zu reproduzieren...  Die Vinyl-Ausgabe legt dabei den Fokus auf reich gewebte Klangflächen: Analoge Synthesizer begegnen klassischen Instrumenten und zeitgenössischer Produktion, Stimmen und Arrangements verweben sich zu einem dichten, emotionalen Texturspiel. Auf meinem eigenen Plattenspieler offenbart You Smile When It Hurts eine Tiefe, die im Vergleich zu früheren Alb...

Oh, Vienna...: The Ghost And The Machine – Sorrows (14.11.2025, Fullmax Recordings)

Im Spannungsfeld zwischen Folk, Indie und dunkelrockiger Melancholie legt The Ghost And The Machine mit Sorrow ein Album vor, das eine bemerkenswerte Dichte erreicht. Der Wiener Songwriter Andreas Lechner, seit über einem Jahrzehnt eine feste Größe im europäischen Indie-Kosmos, lotet hier persönliche wie kollektive Verletzlichkeit aus und schafft aus ihr einen Ton, der auf Vinyl besonders organisch und unmittelbar wirkt. Der bewusst analoge Ansatz – von Resonator-Gitarren über nostalgische Synthesizer bis zur subtil eingewobenen singenden Säge – verleiht dem Klangkörper eine greifbare Textur, die in der warmen Rille der LP ihre volle Wirkung entfaltet und sich klar gegen den heutigen Streaming-Einheitsbrei stellt...  Im Gegensatz zu früheren, teils offener gestimmten Werken wirkt Sorrows wie eine konzentrierte Reflexion: dunkel, roh und zugleich poetisch. Die zwölf Tracks entfalten ein narratives Gefüge, in dem Herzschmerz, Verlust und Hoffnung nicht nur thematisch, s...

Thomas D x Flo Mega & The KBCS feat. GU – Hier für dich (Unique Records, ORIGU)

Diese 7"-Single bringt zusammen, was im deutschen Soul- und Hip-Hop-Kosmos selten so stimmig ineinandergreift: Haltung, Handwerk und echtes musikalisches Vertrauen. Thomas D nutzt hier nicht die Pose des Veteranen, sondern die Rolle des Erzählers, der gelernt hat, Raum zu lassen. Seine Stimme wirkt geerdet, unaufgeregt, fast beiläufig – und genau darin liegt ihre Stärke. Flo Mega ergänzt dieses Fundament mit jener rauen Wärme, die ihn seit Jahren zu einer der eigenständigsten Figuren zwischen Soul, Funk und Rap macht. Getragen wird das Ganze von The KCBS, deren Ruf als eine der tightesten deutschen Soul-Bands kein Marketingmythos ist. Der Groove sitzt tief, organisch, analog gedacht, ohne Retro-Fetischismus. GU fügt sich mit zurückhaltender Präsenz ein und verstärkt den Song noch emotional. Auf Vinyl entfaltet das Zusammenspiel eine besondere Wirkung: Die 7" klingt kompakt, druckvoll und ehrlich, mit einer Dynamik, die digitale Formate oft einebnen. Im Kontext der...