Album-Release-Party: Effektief - Massenkonsum (+ Support Alex Fischer / Captain Horst)// Das Greif, Lünen // 31.08.2019

Lange genug hat es ja jetzt gedauert. Am längsten vermutlich für die Band selbst. Aber nun ist das ersehnte Ziel erreicht: "Massenkonsum" von Effektief wurde am 31. August 2019 der geneigten Öffentlichkeit zugänglich gemacht! Und das nicht nur einfach so nebenbei. Denn für eine bisher nur einem lokalen Spektrum bekannte Band, die gerade ihren Erstling veröffentlicht, wurde sich verdammt mächtig ins Zeug gelegt. Selbst der Sommer gab sich nochmal die Ehre und bescherte allen eine von Grund auf heiße Atmosphäre. Der Ertrag gibt dem Aufwand hier recht, soviel sei vorab schon verraten. Als Location konnte es eigentlich auch gar keinen anderen Platz geben, als die ehrwürdige Music-Hall im Lüner Greif, die wahrlich schon einige Rockgrößen gesehen hat. Hier nebenan ist auch der Proberaum der Band - hier wurde die Platte eingespielt und aufgenommen - absolutes Heimspiel also. Und an einem Wochenende, wo mit den Wahlen in Sachsen und Brandenburg der Begriff "Patriotismus" bis aufs Widerlichste strapaziert wurde, ist mir wieder klar geworden, dass der einzige Patriotismus, mit dem ich halbwegs was anfangen kann, der Lokalpatriotismus im besten Sinne ist. Denn an diesem Abend spielten neben den Lünen-Selmer Punkrockern von Effektief noch Alex Fischer aus Hamm, sowie Captain Horst aus Kamen. Beide also praktisch "von umme Ecke"...

Der Rahmen war also schon mal perfekt gesetzt. Bob Michaels und sein eingespieltes Spitzen-Team vom Greif waren startklar. Publikum war zahlreich anwesend und die Protagonisten auf den Punkt konzentriert. Und beginnen durfte Alex Fischer & Band aus der Nachbarstadt Hamm. Beide Bands verbindet eine Bandfreundschaft und das sollte man später in einem gemeinsamen Song noch lautstark mitbekommen. Auch wenn es immer etwas undankbar ist, die Vor-Vor-Band zu sein, gelang es ihnen recht schnell, die noch auf alle Räumlichkeiten verteilten und auf dem Außenbereich weilenden Gäste in die Halle zu saugen. Anfang 2016 zunächst als Soloprojekt gestartet, sind Alex Fischer mittlerweile eine dreiköpfige Band, die ihren Sound auf der Website als Pop-Rock bezeichnet, sich mir aber zumindest live als feinster Indie-Rock darstellte. Tolle eingängige Songs, die auf Anhieb Spaß machten und ein Auftritt, der bei mir gleich einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Ich bin mir sicher, auch und gerade nach dem anschließenden Gespräch mit Alex selbst, auf diese Band noch einmal an anderer Stelle gesondert einzugehen. Einen kleinen Eindruck bekommt ihr >hier< im Video.
Den Namen Alex Fischer sollte man sich vielleicht merken...




Mit Captain Horst aus Kamen ging es dann in Runde Zwo. Die seit 2007 bestehende
fünfköpfige und synthiebestückte Band aus Kamen, fiel vom Sound vielleicht etwas aus dem Rahmen, wusste aber musikalisch durchaus zu überzeugen und boten einen durchweg sehr professionellen und starken Auftritt. Allerdings hatte ich den Eindruck, dass einige Gäste im Publikum nicht so richtig warm mit dem Sound wurden und sich draußen eine Kunstpause bis zum Haupt-Act gönnten. Eigentlich schade, denn die Jungs hatten echt Qualität. Nicht umsonst blicken Captain Horst bereits auf diverse Veröffentlichungen zurück und teilten mit bekannten Acts wie John Watts von Fischer Z, Kai Havaii und Stefan Kleinkrieg von Extrabreit oder aber auch den von mir hochgeschätzten  Ton-Steine-Scherben die Bühne. Poppiger Punk oder punkiger Pop. Völlig egal, die Band hat`s drauf...

Der eigentliche Grund den Abend in der Nähe des Ortsausgangs von Lünen in einer der besten mir bekannten Musikkneipen zu verbringen, stand ja allerdings noch aus. Und wie man ein solches Ereignis wie ein Album-Release inszeniert und zelebriert, haben Effektief schon durchaus drauf. Abdunkeln des Raums, eindringlich pulsierende Soundcollagen - das sah schon verdammt nach "dicker Buxe" aus und ließ die Spannung spürbar steigen. Und man merkte, die Truppe hatte sich was vorgenommen. Denn wer sich vorab so selbstbewusst präsentiert, der muss auch abliefern. Aber echte Zweifel hatte ich diesbezüglich eigentlich nie. Und das Publikum scheinbar auch nicht, wie der starke Applaus nach dem als Opener aufgeführten und erst kürzlich veröffentlichten Video zum Titelsong "Massenkonsum" zeigte. Das Publikum war somit angefixt und bereit. Konnte also  losgehen und zwar richtig...



Da mich Effektief ja bereits mit den mir vorliegenden Demos äußerst angenehm überrascht
haben, war meine Erwartungshaltung trotz des jungen Alters der Band doch schon ziemlich hoch. Diese zu bestätigen, stellte für Effektief aber keinerlei Hürde dar. Mit dem urgewaltigen Live-Auftritt hat die Band weitere Überzeugungsarbeit nicht mehr nötig. Musikalisch zwischen Punkrock und Hardrock/Metal angesiedelt, positioniert sich die Band textlich weniger ambivalent, sondern ziemlich eindeutig gegen den momentan in Teilen der Bevölkerung so angesagten Trend zu Fremdenhass, dem in die Mitte der Gesellschaft einsickernden Faschismus oder gegen die auch 2019 immer noch umhergeisternde unsägliche Homophobie (übrigens im bereits oben angedeuteten Song "Keinen Meter" zusammen mit Alex Fischer!). Dafür meine persönliche Hochachtung...

Der Gig als solcher war eine einzige Party. Man hatte den Eindruck, bei jedem weiteren Song geht es noch mehr ab. Die fast im Dauerpogo durchdrehende Masse vor der Bühne zeigte das eindringlich. Hoher Mitgröhl-Faktor bei fast allen Songs und Sänger und Gitarrist Chris wusste genau, wie er den Mob zu fassen bekam. Drummer Mo war zwar angesichts der Ausleuchtung nicht wirklich viel zu sehen, dafür war er umso spürbarer und mit seinem präzisen Spiel absolut präsent. Zusammen mit Bassist Jan und Gitarrist Flemming trieb er die Band immer wieder druckvoll zu Höchstleistungen an. Das eine so junge Band schon eine solch abgezockte Live-Performance hinlegt, ist sicher nicht unbedingt üblich. Und auch nicht üblich ist es, dass auf der allerersten Scheibe sound-technisch gleich Höchstleistung betrieben wurde. Da waren Leute am Werk, die ihr Metier verstehen. Die CD klingt nahezu perfekt. Keine Spur vom ungewollten Küchen-Sound so mancher Debüts. Einziger Makel für mich persönlich - es gibt kein Vinyl! Was allerdings bei den zuletzt stark angestiegenen Produktionskosten auch absolut verständlich ist. Vielleicht wird das ja irgendwann mal nachgeholt. Verdient hätte es die Platte allemal, die ich auch in der CD-Version oder auf digitalen Vertriebswegen allen, die diese Musik mögen nur dringend empfehlen kann. Gelungenes Album - gelungenes Konzert - gelungener Abend...












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