"Unnormal Kein Bock Auf Nazis" - Konzertabend gegen Rechts - Werne, JUWEL Jugendzentrum - 14.02.2026
Am 14. Februar 2026 wurde das Jugendzentrum JUWEL in Werne zum Schauplatz eines Konzertabends, der musikalische Qualität, politische Haltung und solidarisches Engagement überzeugend miteinander verband. Unter dem Titel „Unnormal kein Bock auf Nazis“ lud das Werner Bündnis gegen Rechts zu einem Benefizkonzert ein, das bewusst niedrigschwellig angelegt war: Einlass ab 18.30 Uhr, freier Eintritt, Spenden auf freiwilliger Basis sowie Getränke und Snacks zu ausgesprochen fairen Preisen. Ein Format, das Offenheit signalisiert und genau dadurch viele Menschen erreicht...
Die im Laufe des Abends gesammelten Spenden gehen an Hedwig e.V., einen in Eisenach ansässigen Verein für kulturelle und politische Bildungsarbeit. Hedwig e.V. engagiert sich seit Jahren für demokratische Werte, fördert kulturelle Projekte und leistet wichtige Arbeit gegen antidemokratische und menschenfeindliche Tendenzen. Allein diese Wahl des Spendenziels unterstrich den ernsthaften Anspruch der Veranstaltung, über Symbolik hinaus wirksam zu sein...
Musikalisch präsentierte sich der Abend erfreulich vielfältig. Eröffnet wurde das Konzert von Badhavior, über die in diesem Blog bereits anlässlich der flözK New Years Rock Night berichtet wurde. Aufgrund meines verspäteten Eintreffens vor Ort konnte ich den Auftritt leider nicht selbst miterleben. Da mir die Band und deren Qualität jedoch aus oben genannter Show bestens bekannt sind, ließ sich dieser Umstand zumindest verschmerzen, auch wenn es sehr schade war...
Im Anschluss betraten The Scabs die Bühne – ein noch sehr junges Punkrock-Trio, das jedoch mit erstaunlicher Selbstverständlichkeit und Durchschlagskraft überzeugte. Besonders prägend war Judith am Schlagzeug, die mit enormer Energie und Präzision die Marschrichtung vorgab. Diese war von der ersten Minute an klar definiert: „Back to 77“. Gemeinsam mit Michel am Bass und Janis an Gesang und Gitarre zündete die Band ein Set aus hervorragend gespieltem, klassischem 77er-Punkrock, das das Publikum binnen kürzester Zeit auf ihre Seite zog. Assoziationen zu The Clash, The Ruts, Vibrators, The Damned oder Chelsea stellten sich fast zwangsläufig ein, ohne dass The Scabs dabei wie eine bloße Retro-Kopie wirkten...
Bemerkenswert war die Wucht, mit der diese noch junge, lokale Band auftrat. Alles klang derart souverän und auf den Punkt, dass man sich zeitweise eher an routinierte Szene-Veteranen als an eine Nachwuchsband erinnert fühlte. Ergänzt wurde der klassische Punk-Sound durch Anleihen aus Indierock, Oi! und Postpunk, was dem Set zusätzliche Tiefe verlieh. Textlich blieb es dabei klar und unmissverständlich: Haltung statt Pose, Position statt Phrasen. „Stand your ground“ war hier keine leere Floskel, sondern gelebter Anspruch. Auch im späteren Gespräch wurde deutlich, wie ernst es die Band mit Punk als Musikform und politischem Ausdrucksmittel meint. Trotz aller Verweise auf die Ursprünge der Punkexplosion ist der Blick klar nach vorne gerichtet. Von The Scabs wird man hoffentlich noch deutlich mehr hören...
Eine ähnlich starke Begeisterung für eine junge Band hatte ich erst wenige Wochen zuvor bei der flözK New Years Rock Night erlebt, damals mit Endstelle aus Werne. Auch an diesem Abend konnten Endstelle das Publikum erneut vollständig für sich gewinnen. Bei den vier Musikern ist spürbar, dass die Chemie stimmt – eine Grundvoraussetzung für das außergewöhnlich dichte Zusammenspiel, das sie trotz ihres jungen Alters bereits auf die Bühne bringen. Die Band agiert geschlossen, konzentriert und dennoch mit der nötigen emotionalen Offenheit, die Wave- und Postpunk erst wirklich tragen...
Wie auch bei The Scabs drängt sich bei Endstelle der Eindruck auf, dass hier etwas entsteht, das über den lokalen Rahmen hinaus Bestand haben kann. In Gesprächen mit Besucherinnen und Besuchern zeigte sich schnell, dass beide Bands an diesem Abend zahlreiche neue Fans gewonnen haben. Es war einer dieser seltenen Konzertabende, nach denen man mit dem Gefühl nach Hause geht, Zeuge eines frühen, aber wichtigen Kapitels mehrerer Bandgeschichten geworden zu sein...
Den Abschluss des Abends bildeten Blank Pages. Das Trio präsentierte sich als nahezu fleischgewordenes Grunge-Revival, dessen Bühnenpräsenz und Soundästhetik unüberhörbar an Nirvana erinnerten. Zwar hatten sich die Reihen im Publikum zu diesem Zeitpunkt bereits etwas gelichtet, doch tat dies der Intensität des Auftritts keinen Abbruch. Laut, kompromisslos und mit spürbarer Konsequenz spielte sich die Band durch ihr Set und verstand es, die verbliebenen Gäste bis zum letzten Ton mitzunehmen...
Das Jugendzentrum JUWEL erwies sich insgesamt als mehr als angemessener Rahmen für diesen Abend. Die Veranstalter vom Werner Bündnis gegen Rechts verstanden das Konzert ausdrücklich als offenes Angebot für alle, die Musik hören, Solidarität zeigen und ein klares Zeichen gegen Rassismus, Faschismus und menschenfeindliche Ideologien setzen wollten – einschließlich jenes übersteigerten „Nazi-onalismus“, der immer wieder versucht, sich gesellschaftlich zu normalisieren. Dieses Ansinnen wurde an diesem Abend glaubwürdig, laut und gemeinschaftlich umgesetzt. Ein Konzert, das nicht nur unterhielt, sondern wirkte – und genau deshalb jede Unterstützung verdiente...