Mit Planetenübergabe veröffentlichen Ausgestorben 2026 ein Album, das sich nahtlos in die lange Tradition eigenständiger deutschsprachiger Punk- und Postpunk-Produktionen einfügt. Dass die Platte auf dem großartigen Major Label erscheint – einer Institution der deutschen Underground-Szene und seit Ende der 1990er-Jahre existent, ist natürlich kein Zufall. Das Label auf denen passenderweise auch EA80, Die Art oder Fliehende Stürme veröffentlichten, ist hierfür passend, wie die berühmte Faust aufs Auge. Musikalisch bewegt sich das Album nämlich genau in jener Grauzone zwischen klassischem Punk, düsterem Wave-Flair und politischer Gegenwartsbeobachtung, für die das Label seit Jahrzehnten steht...
Die prägende Figur hinter diesem Projekt ist der Hamburger Musiker und Texter Jens Rachut, eine der markantesten Persönlichkeiten der deutschen Punk-Szene. Seit den 1980er-Jahren hat Rachut mit Bands wie Angeschissen, Dackelblut, Oma Hans oder Maulgruppe den deutschsprachigen Underground mitgeprägt. Sein Stil ist unverwechselbar: poetisch, surreal, politisch und oft von einer lakonischen, fast dadaistischen Sprachlogik getragen. Auch bei Ausgestorben bleibt diese Handschrift sofort erkennbar. Die Texte wirken wie Momentaufnahmen einer kollabierenden Gegenwart – fragmentarisch, bissig und zugleich erstaunlich bildstark...
Musikalisch bewegt sich Planetenübergabe zwischen rauer Punk-Direktheit und einer fast postpunk-haften Kälte. Die Gitarren bleiben kantig und reduziert, während Bass und Schlagzeug stoisch vorwärtsdrängen. Darüber liegt Rachuts charakteristische Stimme: halb gesprochen, halb beschworen, immer mit einer unterschwelligen Dringlichkeit. Gerade weil die Band auf überflüssige Ausschmückungen verzichtet, entsteht eine Spannung, die sich über das gesamte Album hinweg hält...
Auf Vinyl entfaltet die Platte ihre Wirkung sehr überzeugend, auch wenn das bei einer solchen Scheibe vermutlich relativ egal ist. Die leicht körnige, bewusst unpolierte Klangästhetik passt perfekt zu der dystopischen Atmosphäre des Albums. Es klingt nach Proberaum, nach Kellerclub und nach einer Szene, die sich seit Jahrzehnten jenseits des Mainstreams behauptet.
So wird Planetenübergabe letztlich zu mehr als nur einer weiteren Punkplatte: Es ist ein weiteres Kapitel im umfangreichen Kosmos eines immer wieder totgesagten Genres – und gleichzeitig ein Album, das zeigt, wie lebendig und relevant deutschsprachiger Underground-Punk auch heute noch sein kann. Definitiv eine coole Scheibe, die einfach Bock macht...
Tracklist (Vinyl LP):
A1 PlanetenübergabeA
2 Verlorene Umlaufbahn
A3 Keine Zukunft im System
A4 Signal aus der Leere
A5 Staub der alten Welt
B1 Kollisionskurs
B2 Orbit ohne Rückkehr
B3 Maschinenherz
B4 Letzte Kolonie
B5 Ausgestorben
Weitere Infos:
https://majorlabel.shop
https://ausgestorben.bandcamp.com