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Sweet Soul Music: Nathan Johnston & Angels Of Libra [VÖ: 4.11.2022 | Waterfall Records]


Album des Jahres! Bumms! Oder - im hochmodernen Ampelsprech - Wumms! Meinetwegen auch Doppel-, Triple-, Sonstwas-Wumms... Solch prägnante und eingängige Bezeichnungen sind ja dank unseres ansonsten ziemlich vergesslichen Bundeskanzlers gerade wieder "en vogue". Aber während ich dem Treiben in Berlin mittlerweile immer sedierter folge, kommt aus Hamburg gerade ein Sound, der meine Synapsen wieder auf Hochtouren bringt...

Am 04.10.22 erscheint auf Waterfall Records - grundsätzlich ja schon ein Garant für diverse musikalische Volltreffer - das erste gemeinsame Album der Angels Of Libra mit dem irischen Ausnahme-Sänger und Songwriter Nathan Johnston, der mich stimmlich in manchen Momenten ein wenig an Alex Turner - und zwar an die Version Shadow Puppets-Turner - erinnert. Und wem bei Modern Soul ala Durand Jones, Michael Kiwanuka oder den Black Pumas das Hühnerfell zu Berge steht, der kommt an den Angels Of Libra und diesem gigantischen Album auf keinen Fall mehr vorbei. Feinster, aufregender Soul, gespielt von einer Rhythmusgruppe aus hervorragenden Instrumentalisten und einer furiosen Bläsersektion, der groovigen Retro-Sound mit spürbarem Oldschool-Background in die heimischen Boxen schiebt. Kein Wunder, denn in den Yeah! Yeah! Yeah!-Studios von Dennis Rux wird analoge Aufnahmetechnik groß geschrieben. Gleichzeitig aber klingen die Songs frisch und modern und bieten durchaus für Soulmusik auch überraschende, fast ein wenig dunkle Passagen. 

Angefangen mit diesem Projekt wurde bereits vor über drei Jahren. Zunächst noch ohne Bandnamen und mit dem Grundgedanken an eine Art Soul-Revue mit einem festen Stamm an Bandmitgliedern und diversen Songs mit GastsängerInnen und GastmusikerInnen. Der Kern der Band ist vielen bereits unter einem anderen Namen bekannt, denn im Prinzip handelt es sich hierbei um den Gitarristen, Produzenten und Betreiber der Hamburger Yeah! Yeah! Yeah! - Studios Dennis Rux und seinen Mitstreitern Lucas Kochbeck und David Nesselhauf, die - noch um Carsten "Erobique" Meyer ergänzt - bereits zwei wunderbare Hammond-Soul-Jazz-Alben als Hamburg Spinners veröffentlicht haben. Aber wie in vielen anderen Bereichen auch, trug hier die Pandemie ebenfalls dazu bei, Planungen und Reihenfolgen zu verschieben, sowie Schwerpunkte neu zu gewichten. Und somit ist es eben erst jetzt an der Zeit, die Nathan Johnston & Angels Of Libra in Albumlänge ans Licht der Öffentlichkeit zu fördern. Und diese Öffentlichkeit darf sich tatsächlich auf ein besonderes und hochklassiges Debüt freuen... Wie gesagt - Album des Jahres!

Bei einer zweiwöchigen Aufnahmesession, die bereits vor einiger Zeit in Dänemark stattfand und an der auch Keyboarder Chris Hartel beteiligt war, wurde bereits das Fundament für die Idee der Soul-Revue gelegt. Die dort enstandenen Instrumentalsongs sollten wie bereits erwähnt, von verschiedenen Stimmen besungen werden. Als eine dieser Stimmen wurde auch Johnston angefragt. Heraus kam einiges an Material, da der Sänger zudem seine Songwriter-Skills einbrachte - genug für ein ganzes Album! Einer der Songs war "Angels Of Libra", der von den Bandmitgliedern begeistert zum Bandnamen erkoren wurde. Das wir all das nun genießen und abfeiern dürfen, ist auch dem glücklichen Umstand zu verdanken, dass die Bänder - die bereits vor der (vielen sicher bekannten) tragischen Explosion im Gebäude und der daraus resultierenden Zerstörung des Studios in Hamburg aufgenommen wurden - keinen Schaden genommen haben. 

Aberundet wird das Ganze von der guten Pressung des Vinyls. Das mir vorliegende Exemplar ist nahezu störungsfrei und plan. Kein Knistern und kein Knacken. Nichts stört die phantastische Musik beim ausschwärmen. Natürlich wird auch auf CD und digital veröffentlicht. Königsmedium für ein solches Projekt ist und bleibt aber natürlich eine 12"-Platte in einem wunderschönen, wie die Faust aufs Auge passenden Cover. Sollte man sich nicht entgehen lassen, denn ich bin mir sicher, das ich nicht der einzige bleiben werde, den dieses Meisterstück begeistern und in Entzückung versetzen wird. Und zu guter Letzt schreibe ich es nochmal: Platte des Jahres... 

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