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New Years Rock Night 2026 - im flözK Werne - part one: Badhavior

Das sich am 17. Januar 2026 möglicherweise etwas außergewöhnliches ereignet, konnte man schon ahnen, als bereits eine Stunde vor Konzertbeginn der Laden bereits gut gefüllt war. In der Regel kommen unsere Gäste zu den monatlichen Club Montreux-Gigs doch erst immer "kurz vorm Dicken". Doch diesmal war alles ein wenig anders... "New Years Rock Night" im flözK - das ist die (beinahe) regelmäßige Konzertreihe zum Jahresanfang für junge Nachwuchsbands aus Werne und Umgebung. Und gerade diese Nähe bedingte wohl auch, das sich die beiden Bands, die an diesem Abend auf der Bühne stehen sollten, jeweils eines ordentlichen Kontingent an Supportern sicher sein konnten und diese sich auch frühzeitig im Flöz einfanden. Und um es vorweg zu nehmen - der Abend war restlos ausverkauft! Relativ pünktlich ging es dann auch mit der Begrüßung durch Roland und dem ersten Act des Abends los: der Band Badhavior... Und Badhavior ließen von der ersten Minu...

Lettuce – Cook (03.12.2025, Lettuce Records)

Wer Lettuce seit den frühen Tagen zwischen Rage! und der jazzig ausgefransten Live-Energie der letzten Jahre verfolgt, weiß: Diese Band denkt Funk nicht als Retro-Schablone, sondern als bewegliche Architektur. Das Sextett aus dem US-„Organic Grooves“-Kosmos hat sich über zwei Jahrzehnte vom Jam-Institutionalismus zur hochpräzisen Groove-Maschine entwickelt – ohne den Schweißfilm zu verlieren. Cook wirkt dabei wie ein bewusst gesetzter Album-Entwurf: kompakter, songorientierter, aber mit genügend Luft für Improvisations-Aromen...  Auf Vinyl (als 2LP in mehreren Varianten erhältlich) funktioniert Cook besonders gut, weil die Dramaturgie in vier Akte zerfällt: kurze, skizzenhafte „Sesshins“-Miniaturen wirken wie Schnittbilder zwischen den Hauptgerichten. Das gibt dem Album Flow, ohne in Beliebigkeit zu kippen. Klanglich ist das eine moderne Lettuce-Produktion: tief gestaffelter Bass, pointierte Drums, eine Bläsersektion, die nicht nur Akzente setzt, sondern Hooks schre...

Keine Stereotypen: Monoland – First (VÖ: 30. Januar 2026, Supermodern Music / 1991 Recordings)

Für Fans der Berliner Shoegaze-Institution Monoland beginnt 2026 mit einem Höhepunkt: Nach nahezu zwei Jahrzehnten der Veröffentlichungspause kehrt die Band mit einer neuen EP zurück – bezeichnenderweise betitelt "First" . Die 1996 gegründete Formation machte einst mit ihrem selbstbetitelten Debüt und den Nachfolgern Cooning (2000) und Ben Chantice (2006) auf sich aufmerksam. Nun läutet First hörbar eine neue Schaffensphase ein – kein nostalgisches Revival, sondern eine konsequente Weiterentwicklung ihres Klangkosmos...  Schon beim ersten Hören wird klar: Monoland knüpfen an ihre atmosphärisch dichten Soundlandschaften zwischen Shoegaze, Post-Rock und Indie-Pop an. Klingen 2026 aber gereifter und deutlich fokussierter denn je. Mächtige, in Hall getauchte Gitarrenwände und warme analoge Texturen verschmelzen mit subtilen elektronischen Schichten zu einem vielschichtigen Klanggewebe voller Weite und Melancholie. Produziert wurde die Scheibe im Berliner Studio von He...

Mahler/Fondermann – Neu, gebraucht, Geliehen & Verraucht [Gastbeitrag: Dirk Hanke]

Kurz vor dem Jahreswechsel 2026 ist bei mir dann noch ein echtes Highlight auf dem Plattenteller gelandet: Mahler/Fondermann, ein Hamburger Musikprojekt, veröffentlichen ihr Debütalbum „Neu, Gebraucht, Geliehen & Verraucht“...  Zwei seit Jahren bekannte Größen der Hamburger Underground-/Punkszene haben sich zusammengetan und liefern eine äußerst stimmige Mischung aus Alternative, Post-Punk und Punk. Mit dabei sind Stephan Mahler (u. a. Slime, Angeschissen, Torpedo Moskau) und Ritchy Fondermann, Betreiber des K-Klang-Studios, in dem er unter anderem mit Bärchen und den Milchbubies sowie Rocko Schamoni gearbeitet hat. Spannend: Neben neuem Material gibt es auch Neuinterpretationen und unveröffentlichtes Material älterer Stücke, wie beispielsweise „Trauertränen“ von Torpedo Moskau...  Unterm Strich: ein absolut hörenswertes Erstlingswerk. Mein persönlicher Anspieltip(p): „Schattenvogel“...  https://www.youtube.com/watch?v=grzx29GkF7s&list=RDgrzx29GkF7s...

MF Doom – MM..Food [2020 – US – Reissue – LP Green and Pink Vinyl Rhymesayers Entertainment – RSE0084-1]

Schmatzen, süffige Beats und ein maskierter Supervillain am Küchentisch – MF DOOMs MM..Food ist alles andere als ein gewöhnliches Hip-Hop-Album. Der 2004 erschienene Underground-Klassiker wurde 2020 endlich in einer aufwendigen Vinyl-Neuauflage wiederveröffentlicht, aufgeteilt auf zwei farbige LPs (giftgrün und pink) im stilechten „Food“-Design. Bereits das originelle Wortspiel im Titel (ein Anagramm seines Künstlernamens) deutet an, was einen erwartet: Ein Konzeptalbum rund ums Essen, serviert vom wohl mysteriösesten Charakter des Hip-Hop-Undergrounds...  MF DOOM, bürgerlich Daniel Dumile, hatte sich nach frühen Erfolgen und Schicksalsschlägen (zunächst als Teil der Gruppe KMD) Ende der 90er als maskierter Einzelgänger in der Szene zurückgemeldet. Sein Comeback-Album Operation: Doomsday (1999) etablierte ihn schlagartig als Legende des Underground-Rap mit unverkennbarem Stil. In den Jahren 2003/2004 folgte eine kreative Hochphase: Neben Kollabo-Meisterwerken wie Madvil...

Ken McIntyre With Eric Dolphy – Looking Ahead (25.07.2025, Prestige/New Jazz – OJC Series)

Manche Debüts wirken im Rückspiegel wie eine Weggabelung – nicht, weil sie laut „Revolution“ rufen, sondern weil sie eine neue Grammatik andeuten. Looking Ahead gehört genau in diese Kategorie: aufgenommen am 28. Juni 1960 im Van-Gelder-Studio in Englewood Cliffs und Anfang 1961 auf New Jazz veröffentlicht, produziert von Esmond Edwards. Das Album dokumentiert Ken McIntyre in einem Moment, in dem Kompositionsdisziplin und die aufbrechende Sprache der frühen 60er nicht gegeneinander arbeiten, sondern sich gegenseitig schärfen...  McIntyre (später aka Makanda) war nie „nur“ Altsaxofonist: als Multiinstrumentalist und Komponist – und später als prägender Pädagoge, der u. a. 1971 an der SUNY Old Westbury ein African American Music Program gründete – denkt er strukturell, ohne die Spontaneität zu beschneiden. Eric Dolphy wiederum war zu diesem Zeitpunkt bereits eine Art Katalysator: ein Multiinstrumentalist, der auf Alto, Flöte und vor allem Bassklarinette das Vokabular de...