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Keine Stereotypen: Monoland – First (VÖ: 30. Januar 2026, Supermodern Music / 1991 Recordings)
Für Fans der Berliner Shoegaze-Institution Monoland beginnt 2026 mit einem Höhepunkt: Nach nahezu zwei Jahrzehnten der Veröffentlichungspause kehrt die Band mit einer neuen EP zurück – bezeichnenderweise betitelt "First" . Die 1996 gegründete Formation machte einst mit ihrem selbstbetitelten Debüt und den Nachfolgern Cooning (2000) und Ben Chantice (2006) auf sich aufmerksam. Nun läutet First hörbar eine neue Schaffensphase ein – kein nostalgisches Revival, sondern eine konsequente Weiterentwicklung ihres Klangkosmos...
Schon beim ersten Hören wird klar: Monoland knüpfen an ihre atmosphärisch dichten Soundlandschaften zwischen Shoegaze, Post-Rock und Indie-Pop an. Klingen 2026 aber gereifter und deutlich fokussierter denn je. Mächtige, in Hall getauchte Gitarrenwände und warme analoge Texturen verschmelzen mit subtilen elektronischen Schichten zu einem vielschichtigen Klanggewebe voller Weite und Melancholie. Produziert wurde die Scheibe im Berliner Studio von Hendrik Gundlach. Hier entstand ein organisch-raumbildender Sound, bei dem jedes Detail – vom pulsierenden Bass bis zu den schwebenden Vocals – klar zur Geltung kommt. Bemerkenswert ist, wie Monoland ihre ohnehin schon immer sehr experimentelle Ader nun in noch kompaktere Songstrukturen gießen. Fast alle der neuen Kompositionen folgen einem strafferen Aufbau mit eingängigen Melodiebögen, was den Stücken eine ungewohnte Direktheit verleiht, ohne an charakteristischer Tiefe und hypnotischer Wirkung einzubüßen. Dennoch bleibt Raum für klangliche Abenteuer. So bricht das Stück "Circ" im Verlauf aus dem Schema aus und entwickelt einen freien, eigensinnigen Sog – ein Ausflug ins Grenzenlose. Ein besonderes Augenmerk verdient auch das Stück "Kate". Dieser bereits vorab als Single auf Bandcamp veröffentlichte Song schlägt mit warmem Gitarrensound, treibendem Schlagzeug und vielstimmig-hypnotischem Gesang einen wohligen und emotionalen Tonfall an, von dem man sich gerne einhüllen lässt...
Den Abschluss bildet ein unerwarteter Glanzpunkt durch den Remix des Stücks "Cooning" vom gleichnamigen 2005er Album durch den japanischen Klangkünstler Yasuhiko Fukuzono. Mit feinsinnigem Gespür überführt er Monolands organische Sounddichte in eine schillernde elektronische Dimension, die perfekt mit dem ursprünglichen Charakter korrespondiert. First bietet mit seinen insgesamt sechs Titeln (fünf neuen Stücken plus Remix: TOC, Kate, pX, Junct, Circ und Cooning (aus Remix)) erstaunlich viel Substanz für eine EP – ein Spektrum, das von verträumter Vertrauensseligkeit bis zu aufwühlender Intensität reicht und ein Werk in die Öffentlichkeit entlässt, welches einen internationalen Vergleich (wieder mal) nicht zu scheuen braucht...
In der Vinyl-Fassung entfaltet "First" eine besondere Magie. Die weiten Gitarrenflächen und tiefen Frequenzen profitieren von der analogen Wärme des Mediums; die dichten Arrangements wirken noch greifbarer, jeder Hallraum und jede Textur steht plastisch im Raum. Die 12″-Pressung (limitiert auf 100 Exemplare) überzeugt dabei auf ganzer Linie. Hier zahlt sich auch das exzellente Mastering von Falk Andreas (Blank Room Audio) aus – die EP klingt druckvoll und detailreich, wie gemacht für die Vinyl-Wiedergabe auf anspruchsvollem Equipment. Für Vinyl-Enthusiasten und Klangästheten ist diese Veröffentlichung somit ein doppelter Genuss...
Unterm Strich ist "First" weit mehr als ein bloßes Lebenszeichen nach langer Tonträger-Funkstille. Monoland beweisen eindrucksvoll, dass sie nichts von ihrer Faszination eingebüßt haben – im Gegenteil. Die EP vereint die vertraute atmosphärische Dichte ihres früheren Schaffens mit einer neuen, fokussierten Klarheit und emotionellen Wucht. "First" klingt zeitlos und doch absolut im hier und jetzt. Subtil und doch unmittelbar packend. Es ist ein gleichermaßen introspektives wie mitreißendes Werk, das die Begeisterung des Rezensenten auf leisen Sohlen transportiert und neugierig macht auf alles, was von Monoland in Zukunft noch kommen mag und damit eine klare Empfehlung an alle alten und neuen Freunde der Band und des Genres...