Zum Ende alles auf Anfang: Seltsame Zustände als Re-Release (VÖ: 02.03.2018, Reptile Music)

Musikalisch ohnehin und auch im zeitlichen Kontext eigentlich genau meine Einflugschneise, muss ich dennoch gestehen, dass das Re-Release des 1984 erschienenen Albums der Formation Seltsame Zustände bei mir eine gravierende Bildungslücke offengelegt hat. Hinter dem gleichnamigen Projekt steckt neben Karl Hamacher und Silvio Franolic, mit Thomas Elbern eine Instanz der deutschen Indie- u. New Wave-Szene. Alle drei Musiker sind mehr oder weniger bekannt durch ihre Teilnahme an der legendären Wave-Band Escape With Romeo. Elbern ja zudem noch durch seine (kurze) Zeit bei Pink Turns Blue, sowie als einflussreicher Radiomoderator der in den End-80ern und bis Mitte der 90er nicht ganz unwichtigen WDR1-Sendung "Graffiti", mit der er zu einem wichtigen Förderer unabhängiger Musik in Deutschland wurde. Und nun, nachdem nach über 30 Jahren Existenz das Ende von Escape With Romeo mit einer großen Abschiedstour eingeläutet wird, veröffentlich das Kölner Underground-Label Reptile Music dieses großartige Werk...


Musikalisch im Spannungsfeld von gitarrenlastigem New Wave bzw. Postpunk und der ursprünglichen NDW-Tradition, hat das Trio hier eine Werkschau hinterlassen, die glücklicherweise mit dieser Neuveröffentlichung vor dem Vergessen gerettet worden ist. Oder bin ich der einzige, dem diese Platte nicht bekannt war? Jedenfalls sind nach vormaligen vereinzelten Veröffentlichungen auf Tape (1982/83), 1984 diese Aufnahmen im Düsseldorfer Studio von Dieter Joswig (Nichts, Stunde X, KFC...) produziert worden, die er anschließend auf seinem Label JoJo Records auf Tape und als Vinyl veröffentlich hat. Mittlerweile sind das rare Sammlerstücke, die nicht nur mir unbekannt geblieben sein dürften. Ob das Original auch schon so gut geklungen hat, weiß ich nicht. Nach digitaler Nachbearbeitung liegt hier jedenfalls ein Sound vor, der wie frisch produziert klingt und auch neben den in den letzten Jahren verstärkt aufgekommenen deutschsprachigen Neo-Postpunk-Bands wie Messer, Love A, Die Nerven, etc., sehr positiv aufgefallen wäre. Jedoch endete die Bandgeschichte damals auch schnell wieder. Gut das zum Ende noch Zeit blieb, die Vergangenheit Revue passieren zu lassen...