Reptile Music: Gemischtes Doppel // Sjöblom & Blindzeile mit neuen Releases

Post aus Köln enttäuscht mich selten. Erst recht nicht, wenn mal wieder Demos aus dem Hause Reptile Music bei mir reinschneien. Diesmal handelt es sich um ein bereits im September veröffentlichtes Doppelpack, bestehend aus der neuen EP von Sjöblom mit dem Titel "A Victory Of Love", sowie der Schweizer Band Blindzeile mit dem Album "Bewegung". Zwei Werke, die außer dem gemeinsamen Release-Monat auf den ersten Blick nicht viel gemein haben...

Bei Sjöblom handelt es sich um ein Soloprojekt eines der beiden Sänger der großartigen schwedischen Postpunker The Exploding Boy, die dem ein oder anderen dieser Musik zugetanen Leser vielleicht bekannt sein dürften. Johan Sjöblom ist bereits des Öfteren solo in Erscheinung getreten. Anders als beim treibenden, eher düsteren Postpunk seiner Erstband, bietet die neue EP eine Gemengelage aus modernem Synthie-Pop und Mitte-80er-Wave-Romantik. Und das wird auch gleich beim Titelsong recht klar, denn hier handelt es sich um eine Neuinterpretation des Alphaville-Klassikers "A Victory Of Love". Meiner Ansicht nach auch einer der besten Songs der Münsteraner Veteranen. Zudem finden sich auf "A Victory Of Love" neben dem zweiten neuen Song "Seconds", noch vier bereits auf dem Debütalbum "6" veröffentlichte Songs, die hier allerdings in Neuvertonungen von den Acts Ash Code, Vive La Fete oder Luc Stargazer ge-remixed wurden. Alles in allem eine spannende Veröffentlichung die sich mehr als sehen lassen kann...

Bei den Schweizern Blindzeile um Frontmann David Plümpin war die Sache für mich Anfangs etwas hartnäckiger. Hier brauchte es tatsächlich den berühmten zweiten Durchlauf, um mich etwas genauer hinhören zu lassen. Vermutlich brauche ich auch noch weitere Durchläufe um textlich zu verstehen, was mir die Band da mitteilen will. Ich tue mich mit verschwurbelten Lyrik-Kunstwerken manchmal auch etwas schwer. Vielleicht ist das aber auch der tiefere Sinn hinter solchen Texten. Aber ob nun lyrisch oder prosaisch - wichtig ist in erster Linie die Musik und die bietet hier ausgeklügelten und anspruchsvollen Dreampop. Sicher nichts für den Dancefloor, aber alles andere als Fahrstuhl-Musik. Man sollte sich die Mühe machen und die Songs aufmerksam verarbeiten. Dieser Mühe hätte ich mich nach dem ersten Hören beinahe nicht mehr hingegeben, aber das wäre ein fataler Fehler gewesen. Denn dann wäre mir eine ganz starke Band mit einem tollen Album entgangen. Ein Chartstürmer wird das sicher nicht, aber die Platte wird sein Publikum finden - und begeistern...