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Schwer beladen, aber auf Kurs – Frachter liefern ab: Frachter – Es wird gleich besser (Gunner Records | VÖ: 01.05.2026)

Frachter melden sich mit ihrem zweiten Album zurück – und setzen dort an, wo ihr Debüt „Bad Sterben“ (2023) endete, nur konsequenter, wütender und zugleich reflektierter. Das Trio aus Aaron, Dome und Philipp hat sich in den vergangenen Jahren hörbar entwickelt zu einem verdichteten, stilistisch klareren Postpunk-Ansatz, der seine Einflüsse kennt, aber nicht ausstellt...

„Es Wird Gleich Besser“ ist ein solides Album geworden – thematisch wie musikalisch. Klimakrise, gesellschaftliche Verwerfungen und ein spürbarer Rechtsruck bilden den Resonanzraum, in dem sich die Songs bewegen. Dabei kippt das Material nie in bloße Parolen, sondern arbeitet sich an einem Spannungsfeld aus Resignation und Restoptimismus ab. Diese Ambivalenz zieht sich durch das gesamte Werk und verleiht ihm eine notwendige Dringlichkeit...

Soundästhetisch bleibt die Band sperrig, erweitert aber ihr Spektrum. Zwischen schneidenden Gitarrenflächen, druckvollem Bassfundament und einem treibenden, stellenweise fast brachialen Schlagzeug entsteht ein dichtes Klangbild, das gleichermaßen präzise wie ungeschliffen wirkt und zum Teil noch in einer Emocore-Trafition agiert. Die Produktion – gemeinsam mit Tobias Schiedt realisiert – lässt bewusst Raum für Ecken und Kanten, wodurch die Platte ihre unmittelbare Energie behält, ohne ins Chaotische zu kippen. Natürlich kann man sagen, dass man das alles so oder ähnlich schon bei vergleichbar gelagerten Bands der letzten 20 Jahre gehört hat. Das Phänomen des Neo-Postpunk lässt grüßen... 

Das liegt aber auch in der Natur der Sache und diese Art von Musik lässt nunmal nicht den größten Spielraum ins komödiantisch-fröhliche zu. Aber genauso wollen wir es ja auch haben. Und erst recht, wenn man es so gut präsentiert bekommt wie auf sdiesem Album. Auffällig ist dabei die gewachsene Dynamik. Frachter spielen mehr mit Kontrasten, lassen Passagen atmen, bevor sie wieder verdichten. Gerade diese Balance aus kontrollierter Wucht und atmosphärischer Offenheit hebt das Album über den reinen Genrebeitrag hinaus. Es wirkt weniger wie eine lose Sammlung von Songs, sondern vielmehr wie ein geschlossenes Statement... 

Dass hier nur die Promo-CD vorliegt, ändert wenig an der Wahrnehmung. Die Platte wirkt bereits im digitalen bzw. CD-Format druckvoll und räumlich, was auf eine entsprechend überzeugende Vinylumsetzung hoffen lässt. Gerade die Tiefe im Bassbereich und die klar voneinander abgegrenzten Gitarrenspuren prädestinieren das Material für eine analoge Übersetzung.
Am Ende steht ein Album, das nicht beruhigt, sondern wach hält – und genau darin seine Stärke findet. Frachter liefern kein Versprechen, sondern eine Momentaufnahme im Ausnahmezustand... 



Tracklist:
(Blumwiese)
04:18 Uhr
Muskelgedächtnis
Dolomiti
Umarella
Slalom
Trafo
Schloss
Here comes the sun (aber als Drohung)
Anthrazit
Kanonen & Butter
Gleich wird es besser

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