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Younge(r) than ever: Adrian Younge - Younge [VÖ: 17.04.2026 - Linear Labs]



Mit "Younge" haut Adrian Younge ein Album raus, das sich konsequent seiner eigenen Form von musikalischen Denken verpflichtet – und gerade darin eine bemerkenswerte Stringenz entwickelt. Wer Younge kennt, weiß, dass hier keine glatten, digitalen Jazz- oder Funkproduktionen zu erwarten sind. Stattdessen entfaltet sich ein dichtes, analog gedachtes und orchestrales Klangbild, das tief in den Traditionen von eklektischem Jazz, Psychedelic Soul und cineastischem Funk verwurzelt ist und durch die Klammern der mittlerweile über 50-jahrigen Remix-Kultur und Methodik des Hip-Hop verknüpft wurde. Die Arrangements wirken dabei aber bis ins Detail perfekt koordiniert und komponiert...

Was Younge besonders auszeichnet, ist die Art und Weise, wie Komposition und Produktion ineinandergreifen. Streicherflächen, Orgeln, trockene Drumgrooves und warme Basslinien verschmelzen zu einem Sound, der weniger auf einzelne Songs als auf ein übergeordnetes Stimmungsbild abzielt. Younge arbeitet dabei mit Wiederholung und Reduktion, lässt Motive kreisen und sich langsam verdichten. Das erinnert stellenweise eher an Filmmusik als an klassische Albumdramaturgie – ein Ansatz, der dem Werk eine fast hypnotische Qualität verleiht... 

Auffällig ist auch die Konsequenz, mit der auf moderne Produktionsstandards verzichtet wird. Keine überkomprimierten Mixe, keine digitalen Glättungen – stattdessen Bandrauschen, Dynamik und eine greifbare Räumlichkeit. Das ist kein nostalgischer Selbstzweck, sondern Teil eines klar formulierten künstlerischen Anspruchs. Authentizität durch Analogie. Gerade in einer Zeit, in der vieles beliebig reproduzierbar wirkt, setzt Younge auf eine Ästhetik, die Haltung zeigt und uns bei 33rpmPVC.de immer wieder abholt... 

Adrian Younge selbst hat sich über die Jahre als eine der eigenständigsten Figuren im zeitgenössischen Jazz-, Soul- und Funkkosmos etabliert. Ursprünglich als Filmkomponist gestartet, machte er früh mit seinem Faible für analoge Produktionsweisen auf sich aufmerksam. Projekte wie seine Arbeiten für Film und Fernsehen sowie Kollaborationen mit internationalen Künstlern (Stichwort: Jazz Is Dead) haben ihn zu einem gefragten Klangarchitekten gemacht, der bewusst gegen den digitalen Mainstream arbeitet und dabei eine unverwechselbare Handschrift entwickelt hat... 

Das Album erscheint auf Linear Labs, Younges eigenem Label, das sich ganz der analogen Aufnahmephilosophie verschrieben hat. Linear Labs fungiert dabei nicht nur als Veröffentlichungsplattform, sondern als künstlerisches Gesamtkonzept: aufgenommen wird mit Vintage-Equipment, oft komplett analog, mit dem Ziel, den Klang vergangener Dekaden nicht zu imitieren, sondern neu zu interpretieren. Und das ist ihm hier außerordentlich gut gelungen... 


Weitere Informationen: Linear Labs Offizielle Website


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