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Out on the floor: Hamburg Spinners - Skorpion Im Stiefel // VÖ: Irgendwann zuletzt // Légère Recordings ‎– LEGO215 / a sexy ‎– A-SEXY008

 Hätte ich jetzt fast vergessen! Irgendwie hatte ich mir vor geraumer Zeit das Album der Hamburg Spinners vornehmen wollen. Vermutlich aus einem Mangel an Vita Buer-Lecithin ist mir das erst heute wieder in den Sinn gekommen. Aber besser spät als nie und da die ganze Geschichte relativ zeitlos angelegt ist, sollte hier auch eigentlich kein Veröffentlichungsdruck entstehen. Raus ist sie also längst und dankenswerterweise auch als Vinyl. Alles andere wäre bei soviel Rückgriff auf vergangene Zeiten auch ein Unding gewesen. Denn Hauptakteur dieses Werks ist - neben den Protagonisten der Band - die gute, alte und oft despektierlich als "Schweineorgel" verunglimpfte Hammond B3. Dabei ist es gerade dieses elektro-mechanische Stück Musikgeschichte, welches einen dermaßen unverwechselbaren und prägnanten Retro-Sound verströmt, das sich gleich reihenweise Musikgenres aus den 60ern und 70ern mit ihr schmückten. Egal ob im  Rhythm and Blues, Soul, Funk, Rock, Ska, Reggae oder gerade auch im Jazz. Die wahren Könner an diesem Instrument waren allesamt Giganten dieser Musikstile. Sei es Jimmy Smith, Graham Bond, Brian Auger, Keith Emerson, Dr. Lonnie Smith oder Booker T. Jones. Alles in allem also ein gutes Unterfangen, sich mit der B3 zu bewaffnen und eine wunderschön-retrospektive Platte in einer Gemengelage aus modaffinem Jazz, Soul und Funk, sowie einer gewissen hanseatischen Attitüde zu machen...

Das dachten sich dann vermutlich auch die Mitglieder der sich zu diesem Zweck zusammengefundenen Formation Hamburg Spinners, bestehend aus vier nicht ganz unbekannten Personen der Hamburger Musikszene. Im einzelnen sind das Carsten „Erobique“ Meyer (Hammond B3), seines Zeichen Komponist von diversen Filmmusiken wie z. Bsp. "Der Tatortreiniger" oder "Fraktus" und natürlich auch bekannt als Keyboarder von International Pony oder zuletzt im Konglomerat mit Carsten Friedrichs von der DLDGG und der 7"-Single "Ich Mag Leute". An der Gitarre Dennis Rux, Betreiber der Yeah! Yeah! Yeah! Studios in Hamburg, wo "Skorpion Im Stiefel" auch entstanden ist und Musiker in diversen Bands, wie den Trashmonkeys oder den Thee Pounders. Am Bass David Nesselhauf, bekannt durch seine Afrokraut-Produktionen, einer äusserst funkigen Fusion von afrikanischer Musik und Krautrock  und last but not least Lucas Kochbeck von The KBCS und Diazpora an den Drums. Der Sound des Albums und das Spiel Meyers erinnert tatsächlich oft eher an die lässig-elegante und groovige Spielweise eines Jimmy Smith oder auch an die souveräne und coole Melodiösität eines Booker T. Jones, als an die oft doch eher aggressive und getriebene Gangart eines Brian Auger. Die Gitarre und die B3 ergänzen sich in der jeweiligen Führungsrolle hervorragend. An manchen Stellen klingt mir die Rythmus-Sektion und hier vor allem das Schlagzeug ein wenig zu "modern", allerdings auch nur marginal. Die Stücke wären sicher auch auf den diversen Modjazz-Samplern von Kent Records nicht negativ aufgefallen. Im Gegenteil! Die Songs klingen sauber und sehr ernsthaft produziert und erregen gleich ein Gefühl von Bewegungsdrang. Alles in allem aber eine geniale Idee für ein Album und neun herrlich-groovende Songs, welche ganz sicher noch die ein oder andere Runde auf meinem Plattenteller drehen werden...






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