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Free Jazz war kein Stil. Er war ein Sprengsatz. - Ein Gespräch zwischen Deviant Frequency und 33rpmPVC.de über Bruch, Suche und permanente Revolution - Nicht nur im Jazz...

Einleitung Die meiste Musik will gefallen. Free Jazz wollte das nie. Er wollte etwas aufbrechen – und hat es getan. Ohne Rücksicht auf Erwartungen, ohne Angst vor Irritation, ohne Bedürfnis nach Harmonie im klassischen Sinn. Er hat Strukturen zerlegt, Gewissheiten erschüttert und die Grenzen dessen, was Jazz – und Musik insgesamt – sein darf, dauerhaft verschoben...  Im Gespräch mit | Deviant Frequency | spricht 33rpmPVC.de über Free Jazz als kulturellen Sprengsatz, über Peter Brötzmann und Albert Ayler, über das Prinzip von Konstruktion, Dekonstruktion und Rekonstruktion – und über die Frage, ob echte musikalische Revolution heute überhaupt noch möglich ist...  Es geht um Grenzverschiebung. Um Suchbewegung. Und um Musik als Zustand permanenter Veränderung...  --- „Free Jazz ist keine schöne Musik. Er ist ehrliche Musik.“ Deviant Frequency: Was macht Free Jazz für dich wirklich aus – jenseits von Theorie und Genre-Debatte? 33rpmPVC.de : Zuerst einmal fehlt vi...

Angels Of Libra – Tourabschluss im Ratinger Hof, DüsseldorfSoul-Revue im legendären Altstadt-Club

Der letzte Freitagabend im Düsseldorfer Ratinger Hof hatte von Anfang an etwas Besonderes an sich: Tourabschluss der Hamburger Soulband Angels Of Libra – und das in einem Club, der sonst eher mit roughem Punk als mit geschmeidigem Soul in Verbindung gebracht wird. Offizieller Beginn war auf 20 Uhr angesetzt, doch ganz soultypisch ging es erst gegen 20.30 Uhr los – genug Zeit, damit sich der Laden ordentlich füllte und die Vorfreude im Raum knisterte...  Der Ratinger Hof in der Düsseldorfer Altstadt ist weit mehr als nur eine weitere Konzertlocation: In den 1970er- und frühen 1980er-Jahren war die Kneipe an der Ratinger Straße 10 ein zentraler Treffpunkt der Underground- und Punk-Szene und gilt bis heute als einer der Geburtsorte des deutschen Punk. Nach einer Phase der Ungewissheit und der Schließung im Sommer 2024 wurde der Club im April 2025 unter neuem Betreiber nach umfangreichen Modernisierungen an Ton- und Lichttechnik sowie optischer Auffrischung wie...

Brausis drehen auf - „Wenn Punk plötzlich groovt – und alles Sinn ergibt“: Brausepöter - Frei Von All Dem Hier [14.11.2025 || NWE Musik]

Brausepöter sind zurück – und wie! Mit ihrem neuen Album "Frei Von All Dem Hier", gerade frisch erschienen, beweisen die deutschen Punk- und New-Wave-Veteranen, dass sie auch nach fast fünf Jahrzehnten Bandgeschichte nichts von ihrer Energie, Experimentierfreude und Relevanz eingebüßt haben. Die Band, die Ende der 1970er Jahre aus der deutschen Underground-Szene hervorging, überrascht 2025 mit einem stilistisch erweiterten, teilweise Dance-orientierten Sound – und bleibt dabei trotzdem ganz sie selbst...  Brausepöter zählen zu den, wenn nicht gar DER dienstältesten deutschen Punkband, die noch in Originalbesetzung aktiv existiert. Gegründet 1978 in der Provinz (Rietberg, NRW), gehörten sie zu den ersten Gruppen, die Punk und New Wave auf Deutsch kombinierten. Schon früh von Szene-Macher Alfred Hilsberg gefördert, spielten Brausepöter auf legendären Events der aufkommenden NDW-Bewegung, ehe sie sich 1982 frustriert über die Kommerzialisierung des Genres vorläufig v...

Free at last... James Newton Quartet - Live In Willisau [Switzerland 1983] | VÖ: 07.11.2025 | Rythm Flow Records

Das Album Live In Willisau Switzerland 1983 des James Newton Quartet – veröffentlicht bei Rhythm ’n’ Flow Records im November 2025 – ist ein aufschlussreicher Dokumentations-Fund: Ein Livemitschnitt vom Willisau Jazz Festival in der Schweiz aus dem Frühjahr 1983. Mit dabei sind der Flötist und Bandleader James Newton selbst, die Pianistin Geri Allen – zu Beginn ihrer Karriere –, sowie der Bassist Anthony Cox und der legendäre Andrew Cyrille an den Drums...  In dieser Konstellation bewegt sich das Quartett im Spannungsfeld von freier Improvisation und kompositorischer Klarheit. Newtons Flöte – kaum je trivial – gliedert sich hier in einen Kontext, in dem Allen, Cox und Cyrille nicht nur begleiten, sondern impulsgebend sind: Die rhythmischen Impulse von Cox und Cyrille bieten ein engmaschiges, zugleich losgelöstes Fundament, während Allen mit subtiler Verve zwischen Klangräumen und impulsiven Ausbrüchen pendelt... Die Klangästhetik ist roh und unmittelbar – ein Livemoment...

Tortoise - Touch [VÖ: 24.10.2025 / International Anthem]

Mit „Touch“ legte das US-Quintett Tortoise am 24. Oktober 2025 über das Label International Anthem (in Kooperation mit Nonesuch Records) ihr erstes Studioalbum seit neun Jahren vor.  Die Band – bestehend aus Dan Bitney, John Herndon, Douglas McCombs, John McEntire und Jeff Parker – gilt als eine der prägendsten Formationen des Post-Rock und Instrumental-Klangs der 1990er bis 2000er Jahre... „Touch“ zeigt Tortoise in einer Phase bewusster Neuorientierung: Der Produktionsprozess fand nicht – wie früher –, zentral in Chicago statt, sondern verteilte sich auf Los Angeles, Portland und Chicago. Diese räumliche Dezentralisierung spiegelt sich im Sound: Während typische Elemente – Krautrock-Motorik, Jazz-Ambient, elektronische Loops – weiterhin präsent sind, wirkt das Ergebnis dunkler, fragmentierter und weniger gemeinschaftlich ausgestaltet als etwa ihre Klassiker wie „Millions Now Living Will Never Die“ oder „TNT“... Die Produktion setzt auf klares Instrumentarium, verzicht...

Sanuyé - We All Become Stories (Label: SANUYÉ, VÖ: 29.08.2025)

Die Kölner Formation SANUYÉ veröffentlichte kürzlich mit We All Become Stories ein erstaunliches starkes Debüt, welches Jazz, Soul und Vocal-Jazz mit einer geschmeidigen Smooth-Pop-Note verbindet. Im Zentrum steht die charismatische Sängerin Katharina Koch, deren warme Stimme und präzise Phrasierung das Ensemble souverän anführt... Die musikalische Ausrichtung ist klar: hier gibt es kein wildes Improvisieren um der Technik willen, sondern durchkomponierte Songs mit Bedeutung – Groove und Melodie gehen Hand in Hand mit textlicher Tiefe. Laut Bandangaben entfalten sich „klar gezeichnete Konturen“, getragen vom „sanft groovenden Zusammenspiel der Instrumentalist:innen“...  Die Produktion wirkt bewusst reduziert, doch zugleich hochwertig – eine straighte Eleganz in der Klanggestaltung, die dem Album seine luftige, zugleich aber fesselnde Atmosphäre verleiht. Das Zusammenspiel von Bläsersektion, Rhythmusgruppe und Stimme schafft einen warmen Kosmos, in dem jede Note Platz ha...