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Vadim Neselovskyi – Perseverantia (2026, Tzadik – TZ 4060)


Mit Perseverantia legt Vadim Neselovskyi 2026 ein Album vor, das sich kompromisslos zwischen zeitgenössischem Jazz, klassischer Formstrenge und improvisatorischer Offenheit bewegt. Veröffentlicht wurde es in den USA auf Tzadik (TZ 4060), produziert von John Zorn – eine Konstellation, die Erwartungen weckt und sie zugleich unterläuft... 

Neselovskyi, in der Ukraine geboren und international vor allem durch seine Arbeit mit Gary Burton bekannt geworden, hat sich in den letzten Jahren als eigenständiger Komponist und Pianist profiliert, der narrative Konzepte mit pianistischem Tiefgang verbindet. Seine Musik ist strukturell durchdacht, oft kammermusikalisch präzise, ohne die emotionale Direktheit zu verlieren. Perseverantia knüpft an diese Linie an, wirkt jedoch konzentrierter, beinahe asketisch im Zugriff: Themen werden nicht ausgestellt, sondern entwickelt; Motive erscheinen, brechen auf, werden transformiert... 

Dass das Album auf Tzadik erscheint, ist mehr als eine formale Randnotiz. Das von John Zorn gegründete New Yorker Label steht seit Jahrzehnten für avancierte, oft grenzüberschreitende Produktionen zwischen Jazz, Avantgarde und zeitgenössischer Komposition. Zorns kuratorischer Ansatz – künstlerische Freiheit bei klarer ästhetischer Haltung – ist hier deutlich spürbar. Die Produktion ist transparent, detailreich, ohne klangliche Effekthascherei. Gerade auf CD entfaltet sich eine bemerkenswerte Dynamikbandbreite: leise Passagen bleiben intim und greifbar, während dichter gesetzte Momente strukturell nachvollziehbar bleiben... 

Insgesamt wirkt Perseverantia wie ein persönliches Statement über Beharrlichkeit – nicht pathetisch, sondern reflektiert. Neselovskyi verzichtet auf Virtuosen-Showcases und setzt stattdessen auf dramaturgische Entwicklung und klangliche Subtilität. Das Ergebnis ist ein Album, das sich nicht nebenbei konsumieren lässt, sondern Aufmerksamkeit einfordert – und belohnt. Für Hörerinnen und Hörer, die im Jazz weniger Groove als gedankliche Tiefe suchen... 



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