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This Is DJ’s Choice, Vol. 6 - Oonops & 2b Fuzzy [Unique Records, VÖ: 20.03.2026]

Wenn man sich lange genug mit kuratierten Compilations beschäftigt, weiß man - die wirklich guten erkennt man nicht daran, dass sie möglichst viele große Namen versammeln, sondern daran, dass sie wie ein gut gespieltes DJ-Set funktionieren. Genau hier setzt „This Is DJ’s Choice, Vol. 6“, zusammengestellt von 2b Fuzzy und Oonops, an – und trifft erstaunlich präzise ins Schwarze... 
 
Die Reihe selbst ist kein unbeschriebenes Blatt, aber mit dieser Ausgabe wird wieder mal klar, worum es ursprünglich geht – Tanzbarkeit ohne Beliebigkeit. Zwei Persönlichkeiten und äusserst kompetente Musik-Coinasseure. Zwei Handschriften, ein gemeinsamer Nenner... 

Oonops übernimmt die A-Seite der Vinyl-Scheibe und eröffnet mit einer spürbaren Affinität zu warmen, organischen Grooves, die sich irgendwo zwischen Soul, Jazz-Funk und globalen Einflüssen verorten lassen. Tracks wie „Planet E.“ von Linski oder „Shoulders Of Love“ von Pat Van Dyke & Zac Colwell haben diese seltene Qualität, gleichzeitig entspannt und dennoch zwingend zu wirken. Es ist Musik, die nicht laut sein muss, um sich durchzusetzen. Kann aber auch nicht schaden... 
 
Spannend wird es immer dann, wenn sich das Material leicht gegen die Erwartung stellt. „Disposable Art“ etwa kippt subtil in eine kantigere Richtung, während „Everybody Loves The Sunshine“ in seiner Neuinterpretation genau den schmalen Grat zwischen Hommage und Eigenständigkeit hält. Oonops beweist hier einmal mehr, dass er nicht nur selektiert, sondern dramaturgisch denkt... 
 
Die B-Seite, verantwortet von 2b Fuzzy, fühlt sich im direkten Vergleich etwas erdiger an, vielleicht auch eine Spur cluborientierter. Dubmatix, Jembaa Groove oder die Kerbside Collection bringen mehr rhythmische Direktheit ins Spiel, ohne dabei plump zu werden. Besonders der Mo’Horizons-Remix von „Mokole“ sticht heraus – ein Track, der sich fast unmerklich aufbaut und dann doch genau im richtigen Moment zündet. „Guruji“ von Kutiman wirkt wie ein bewusst gesetzter Ruhepol, bevor es mit „Funkturm“ wieder in Richtung tanzbare Ekstase geht...
 
Was diese Compilation jedoch wirklich interessant macht, ist weniger die Einzeltrack-Qualität – die ist durchweg hoch –, sondern das Gesamtbild. Man hört hier zwei DJs, die nicht versuchen, sich gegenseitig zu überbieten, sondern die sich ergänzen. Das ist keine Playlist, das ist ein Dialog. Und vielleicht ist genau das der Punkt, an dem sich „DJ’s Choice“ im wahrsten Sinne des Titels von vielen anderen Reihen absetzt... 
 
Für Sammler ist das Angebot auf Vinyl ein klares Argument, für DJs ohnehin. Die Pressung wirkt dabei nicht wie ein beiläufiges Format, sondern wie das eigentliche Zentrum des Projekts – so, wie es bei einer solchen Veröffentlichung auch sein sollte. Denn am Ende ist „This Is DJ’s Choice, Vol. 6“ keine Platte, die laut nach Aufmerksamkeit schreit. Sie funktioniert subtiler. Sie wächst mit jedem Durchlauf, offenbart ihre Stärken eher im Flow als im einzelnen Highlight. Und gerade deshalb ist sie eine dieser Veröffentlichungen, die man nicht nur einmal hört, sondern immer wieder auflegt – sei es zu Hause, im Radio oder im richtigen Moment im Club. Alles geht... 

Ein kurzer Blick auf den Kontext lohnt sich dennoch: Die „DJ’s Choice“-Reihe existiert bereits seit 2008 und hat über die Jahre immer wieder gezeigt, wie ernst Unique Records das Thema Kuratierung nimmt. Statt beliebiger Label-Sampler setzt man hier bewusst auf Persönlichkeiten wie Keb Darge, Marc Hype, Gu, DJ Suspect oder zuletzt Unique-Gründerlegende Henry Storch – Namen, die für Haltung und Geschmack stehen... 

Mit Volume 6 knüpft das Label genau daran an und verlässt die Sonderrolle der Vorgänger-Ausgabe zugunsten des eigentlichen Konzepts. Unique Records bleibt damit seiner Linie treu: Soul, Funk, Jazz und globale Grooves nicht nur zu veröffentlichen, sondern in einen größeren kulturellen Zusammenhang zu stellen – und genau das hört man dieser Compilation an...

Absolute Kaufempfehlung! 


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