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Kalia Vandever – Mana (International Anthem, 12.06.2026)




Es gibt Künstler, die sich mit jedem Album innerhalb eines einmal gefundenen Koordinatensystems weiterentwickeln. Und es gibt jene, die sich bewusst davon lösen. Kalia Vandever gehört inzwischen eindeutig zur zweiten Kategorie. Nach den kammermusikalisch geprägten Quartettarbeiten und den ersten Soloexperimenten markiert Mana keinen stilistischen Bruch, sondern eine konsequente Erweiterung ihrer musikalischen Sprache. Das Debüt für International Anthem führt verschiedene Entwicklungslinien zusammen und wirkt zugleich persönlicher als alles, was bislang unter ihrem Namen erschienen ist...

Wer hier ein weiteres zeitgenössisches Jazzalbum erwartet, dürfte bereits nach wenigen Minuten feststellen, dass diese Einordnung nur bedingt trägt. Mana lebt von entschleunigten Klangräumen, in denen Posaune, Stimme, Elektronik und sparsam gesetzte Klavierfiguren miteinander verschmelzen. Vandever nutzt ihr Instrument längst nicht mehr ausschließlich als Melodieträger, sondern formt daraus weit ausgreifende Texturen, die durch Effekte und Live-Manipulation beinahe organisch atmen. Die Produktion von Lee Meadvin verzichtet dabei auf jedes Übermaß. Stattdessen entsteht eine bemerkenswerte Transparenz, in der jeder Hallraum und jede Klangfarbe ihre Funktion besitzt...

Neu ist vor allem die Präsenz der eigenen Stimme. Sie wirkt nicht wie ein nachträglich hinzugefügtes Stilmittel, sondern als logische Konsequenz eines Albums, das sich intensiv mit Herkunft, Erinnerung und familiären Wurzeln auseinandersetzt. Der hawaiianische Begriff „Mana“ steht für spirituelle Kraft und verbindet diese sehr persönliche Ebene mit einer Musik, die trotz aller Reduktion nie kühl oder verkopft erscheint. Gerade „Waiting“ entwickelt eine eindringliche emotionale Wirkung, weil hier Stimme und Posaune nahezu dieselbe Ausdrucksebene teilen. Das eröffnende „Hubbard Road“ wiederum macht unmittelbar deutlich, wie selbstverständlich Vandever heute zwischen Jazz, Ambient, Drone und moderner Kammermusik vermittelt, ohne sich einer dieser Kategorien vollständig zu unterwerfen...

Bemerkenswert ist dabei, wie viel Spannung aus wenigen Mitteln entsteht. Wo andere Produktionen ihre Wirkung über Dichte oder Dynamik erzeugen, arbeitet Mana mit Luft, Geduld und einer fast meditativen Konzentration auf den einzelnen Klang. Das verlangt Aufmerksamkeit, belohnt sie jedoch mit einem Album, das auch nach mehreren Durchläufen neue Details freigibt...

Mana gehört zu jenen Veröffentlichungen, die sich einer schnellen Einordnung entziehen. Gerade darin liegt jedoch ihre Stärke. Kalia Vandever präsentiert keine virtuose Demonstration technischer Fähigkeiten, sondern eine außergewöhnlich fokussierte Klangwelt, die persönliche Geschichte, moderne Improvisation und elektroakustische Ästhetik zu einem bemerkenswert geschlossenen Ganzen verbindet.



Label: 

Tracklist
Side A
1. Hubbard Road
2. Murmuray
3. Waiting
4. Tough Play

Side B
1. In The Folds
2. Your Fault
3. Holding 

 

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