Forgotten Hero: Reinhard Lakomys visionäre Klangwelten | Reinhard Lakomy – Palastkonzert (Lacky Musik, 10. April 2026)
Manche Archivveröffentlichungen bedienen vor allem die Nostalgie. Palastkonzert gehört nicht dazu. Der erstmals auf Vinyl veröffentlichte Mitschnitt eines Konzerts aus dem Jahr 1983 ist weit mehr als ein historisches Dokument – er eröffnet einen faszinierenden Blick auf einen Künstler, dessen Bedeutung für die elektronische Musik im deutschsprachigen Raum bis heute oft unterschätzt wird...
Reinhard Lakomy war ein musikalischer Grenzgänger. Vielen ist er bis heute als Schöpfer des Traumzauberbaums präsent, doch sein Schaffen reichte weit darüber hinaus. Der Pianist, Komponist und Arrangeur bewegte sich mühelos zwischen Jazz, Rock, Filmmusik und Elektronik und gehörte Anfang der 1980er Jahre zu den Pionieren elektronischer Musik in der DDR. Seine Begegnungen mit Edgar Froese von Tangerine Dream und seine Begeisterung für neue Synthesizer-Technologien prägten eine künstlerische Handschrift, die nie Selbstzweck war. Lakomy verstand elektronische Instrumente nicht als Effektmaschine, sondern als Werkzeug zum Komponieren neuer Klangwelten...
Der Mitschnitt aus dem Palast der Republik fängt genau diese Phase eindrucksvoll ein. Die beiden ausgedehnten Stücke „Am Anfang“ und „Solitaire“, letzteres gemeinsam mit Saxofonist Andreas Bicking, entwickeln sich langsam, nehmen sich Zeit und leben von permanenten kleinen Veränderungen. Mal erinnern die weit aufgespannten Synthesizerflächen an Jean-Michel Jarre, dann blitzen Anklänge an die klangexperimentellen Ideen der Musique concrète auf, bevor melodische Bögen und rhythmische Figuren fast unweigerlich Assoziationen zu Mike Oldfield wecken. Trotz dieser Bezüge bleibt Lakomys Musik stets eigenständig und überraschend zeitlos...
Auch die Vinyl-Ausgabe überzeugt auf ganzer Linie. Das hochwertige Gatefold, die sorgfältige Aufmachung und eine tadellos gefertigte Pressung werden der Bedeutung dieser Veröffentlichung gerecht. Klanglich präsentiert sich das Album offen, räumlich und dynamisch – genau so, wie man sich einen historischen Konzertmitschnitt dieser Qualität wünscht...
Palastkonzert ist weit mehr als ein Stück Musikgeschichte. Es ist der eindrucksvolle Beleg dafür, wie visionär Reinhard Lakomy bereits Anfang der 1980er Jahre dachte und komponierte. Für Freunde klassischer elektronischer Musik ist diese Veröffentlichung eine klare Empfehlung – und für alle anderen eine wunderbare Gelegenheit, einen außergewöhnlichen Künstler neu zu entdecken...
Links
Weitere Informationen: https://www.buschfunk.com/
Tracklist
Side A
1. Am Anfang
Side B
1. Solitaire (mit Andreas Bicking)
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