Es gibt diese Platten, bei denen man schon nach wenigen Minuten merkt, dass da etwas Besonderes im Gange ist. Nicht unbedingt etwas vollkommen Neues, denn Soul und Funk müssen nun wirklich nicht ständig neu erfunden werden. Vielmehr geht es darum, wie man diese Musik spielt, wie sie klingt und ob die beteiligten Musiker tatsächlich ein Gefühl dafür haben. Und genau da hat mich „Soulport Universe Vol. 1“ ziemlich schnell gepackt...
Soulport Records ist ein noch recht junges Label aus Sulzbach bei Frankfurt, hinter dem Marcel Bach steckt, der selbst unter dem Namen Miles King musikalisch aktiv ist. Angefangen hat das Ganze in einem improvisierten Studio in einem alten Partykeller. Eine Achtspur-Bandmaschine, ein paar befreundete Musiker und offensichtlich jede Menge Begeisterung für klassische Soulmusik. Inzwischen ist daraus ein beachtliches Netzwerk entstanden, dessen erste Jahre mit dieser Compilation dokumentiert werden...
Vierzehn Stücke, unterschiedliche Künstler und Bands, aber eine gemeinsame musikalische Vorstellung. Soul, Funk und Rhythm & Blues, aufgenommen mit einer deutlichen Vorliebe für analoge Technik und das gemeinsame Musizieren. Keine auf Hochglanz polierte Retro-Veranstaltung, sondern Musik, die atmet, die manchmal rau sein darf und vor allem eines hat. Groove...
Was mir sofort auffällt, ist die ausgesprochen hohe musikalische Qualität. Hier versucht nicht irgendeine Rockband, gelegentlich mal ein bisschen Soul zu spielen. Das sind Musiker, die wissen, was sie tun. Die Arrangements sitzen, die Rhythmussektion arbeitet hervorragend und vor allem wird den Stimmen genügend Raum gelassen. Auch das Schlagzeugspiel fällt über die gesamte Compilation hinweg ausgesprochen positiv auf. Druckvoll, präzise und trotzdem mit genau der richtigen Portion Lockerheit. Musikalisch geht es dabei weniger in Richtung Motown, sondern viel stärker zum klassischen Southern Soul. Stax lässt grüßen, ebenso die erdigeren Spielarten des Deep Soul...
Eine der großen Überraschungen ist für mich Elif Batman. Was für eine Stimme! Kraftvoll, ausdrucksstark und mit einer wunderbaren Portion Southern-Soul-Feeling. Da steckt eine Menge Leidenschaft drin, ohne dass es übertrieben oder aufgesetzt wirkt...
Mit Carlton Jumel Smith ist auch ein alter Bekannter vertreten. Ich habe ihn inzwischen mehrfach live erlebt und durfte ihn auch mal persönlich kennenlernen. Ein ausgesprochen sympathischer Zeitgenosse, dessen ausgeprägte Entertainerqualitäten beim Publikum regelmäßig für Begeisterung sorgen. Mir persönlich ist diese Art der Bühnenshow manchmal etwas zu viel des Guten. Aber das ist reine Geschmackssache. Was für mich ohnehin viel wichtiger ist, zeigt Carlton hier eindrucksvoll. Er ist ein verdammt guter Soulsänger. Wenn seine Stimme im Mittelpunkt steht und eine erstklassige Band im Rücken arbeitet, braucht es eigentlich gar nicht mehr. Wer sein hervorragendes Album „1634 Lexington Avenue“ auf dem finnischen Timmion-Label kennt, weiß ohnehin, wovon ich spreche...
Noch stärker beeindruckt hat mich allerdings Tommie Harris. Alleine das er überhaupt auf diesem Sampler vertreten war. Der amerikanische Sänger und Schlagzeuger, der im April 2025 verstarb, war schließlich alles andere als ein Unbekannter. Bereits in den fünfziger Jahren saß er bei Jazzgrößen wie Yusef Lateef am Schlagzeug, spielte später unter anderem mit Jimmy Reed, Luther Allison und Brother Jack McDuff und gehörte auch zur frühen Besetzung von Heatwave. Ein Musiker mit einer beeindruckenden Geschichte, der über Jahrzehnte auch die Frankfurter Jazz- und Bluesszene mitprägte. Und was für eine Stimme dieser Mann hatte! Rau, erdig, unverwechselbar und mit einer Tiefe, die sofort hängen bleibt. Seine Beiträge bewegen sich zwischen Deep Soul und klassischem Rhythm & Blues, mit einer Intensität, die selbst bei langsamem Tempo einen unglaublichen Druck entwickeln kann. Umso bemerkenswerter, dass Harris in seinen letzten Lebensjahren gemeinsam mit einer jüngeren Musikergeneration noch einmal solche Aufnahmen eingespielt hat. Für mich gehören seine Beiträge zu den absoluten Höhepunkten dieser Compilation...
Überhaupt lohnt sich ein Blick auf die beteiligten Musiker. The Upper Sides und The R.S.U.s gehören zum Kern des Soulport-Umfelds, an dessen Entwicklung unter anderem auch Schlagzeuger Henri Jerratsch beteiligt war. Gerade The R.S.U.s sorgen mit ihrem druckvollen Heavy Funk für eine willkommene Abwechslung. Eine ganz andere, ausgesprochen sympathische Seite zeigen Miles King & The Foolish Knights. Ihre Musik hat etwas Frisches, Fröhliches und herrlich Ungezwungenes. Soul, der einfach Spaß macht, ohne dabei belanglos zu sein. Manchmal reicht es eben, wenn eine Band mit einem richtig guten Groove einfach loslegt und ihre Musik so wunderbar locker in die Welt ballert...
Mit The Coscians kommt dann auch die elegantere, melodischere Seite des klassischen Soul ins Spiel. Hier musste ich tatsächlich ein wenig an die Supremes denken. Überhaupt gefällt mir die Abstimmung der Instrumente auf dieser Platte ausgesprochen gut. Besonders die Basslinien haben es mir angetan. Schön präsent, aber nie aufdringlich. Jeder hat seinen Platz, nichts wirkt unnötig überladen. Das ist nicht nur eine Frage der Aufnahmetechnik, sondern vor allem des musikalischen Verständnisses...
Natürlich hört man, wo die musikalischen Vorbilder liegen. Stax, Southern Soul, Deep Soul, Heavy Funk und gelegentlich auch Motown. Aber das ist für mich überhaupt kein Problem. Ich brauche keine krampfhaft zur Schau gestellte Originalität, wenn die Musik so überzeugend gespielt wird. Die analoge Produktionsweise passt wunderbar zum Konzept, sollte aber auch nicht überbewertet werden. Eine Bandmaschine macht aus schlechten Musikern keine guten. Entscheidend sind die Leute davor, und genau da scheint Soulport ein ausgesprochen glückliches Händchen zu haben...
Was bleibt also nach vierzehn Titeln? Zunächst einmal die Erkenntnis, dass Soulport Records musikalisch auf einem bemerkenswert hohen Niveau arbeitet. Die Sängerinnen und Sänger überzeugen, die Bands spielen hervorragend und die Produktion hat genau die Wärme und Direktheit, die zu dieser Musik passt. Dabei ist das Spektrum breit genug, um abwechslungsreich zu bleiben, ohne dass der rote Faden verloren geht. Und mit dem kraftvollen Duett von Elif Batman und Miles King zum Abschluss bekommt die Compilation noch einmal einen richtig schönen Höhepunkt spendiert...
Für mich gehört „Soulport Universe Vol. 1“ zu jenen Compilations, die weit mehr sind als eine nette Zusammenstellung verschiedener Künstler. Sie machen neugierig. Auf die Musiker, auf weitere Aufnahmen und vor allem auf die Entwicklung des Labels selbst. Ich würde mich jedenfalls über eigenständige Alben praktisch aller hier vertretenen Künstler freuen. Und noch etwas. Diese Musik gehört für mich unbedingt auf Vinyl. Einige dieser Aufnahmen würde ich liebend gern von einer schwarzen Scheibe hören. Ich hoffe sehr, dass Soulport da in absehbarer Zeit nachlegt. Auch live dürfte dieses musikalische Universum einiges zu bieten haben...
Unterm Strich ist das eine richtig starke Compilation, die mich von Anfang bis Ende überzeugt hat. Musikalisch erstklassig, abwechslungsreich und mit einigen wirklich herausragenden Stimmen. Eine dieser Veröffentlichungen, bei denen man nach dem letzten Stück am liebsten gleich wieder von vorne anfangen möchte. Absolute Kaufempfehlung. Und Soulport Records steht bei mir ab sofort ganz oben auf der Beobachtungsliste. Und... "gimme the vinylllllllll"... [mkl]
Soulport Universe Vol. 1
Various Artists
Soulport Records, 2026
14 Tracks
www.soulportrecords.com