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WAMONO – Als Japan den Groove neu erfand, Teil 02 - Jazz Kissa und die Legenden des Wamono

Kapitel 6a – Jazz Kissa: Die Kathedralen des Hörens Wie Japan eine einzigartige Kultur des konzentrierten Musikhörens entwickelte. Wer zum ersten Mal ein Jazz Kissa betritt, erlebt einen Ort, an dem Musik nicht als Hintergrundbeschallung dient, sondern den Mittelpunkt des gesamten Raumes bildet. Gespräche sind leise, Smartphones verschwinden in den Taschen und die Aufmerksamkeit gilt ausschließlich der laufenden Schallplatte. Ein Jazz Kissa ist weder Café noch Bar im klassischen Sinn. Es ist ein Hörraum für Menschen, die Musik mit derselben Konzentration erleben möchten, mit der andere ein Gemälde betrachten oder einen Roman lesen. Wer diese Kultur versteht, versteht auch einen wesentlichen Teil des Wamono-Universums...  Das japanische Wort 'Kissa' ist die Kurzform von 'Kissaten' und bezeichnet ursprünglich ein Kaffeehaus. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Jazz Kissa zu Orten, an denen Menschen Zugang zu teuren Import-Schallplatten er...

WAMONO – Als Japan den Groove neu erfand - Teil 1

ワモノ ― 日本がグルーヴを再発明したとき Einstieg Wamono ist weit mehr als ein Sammlerbegriff. Hinter dem Wort verbirgt sich ein musikalisches Universum, das jahrzehntelang außerhalb Japans kaum wahrgenommen wurde. Erst DJs, Sammler und Reissue-Labels machten deutlich, welchen Schatz japanische Labels zwischen den späten 1960er- und frühen 1980er-Jahren geschaffen hatten. Dieses Dossier verfolgt nicht den Anspruch eines Katalogs. Es möchte Zusammenhänge herstellen: zwischen Musik, Gesellschaft, Produktionstechnik und Vinylkultur...  Kapitel 1 – Die Entdeckung eines verborgenen Musikuniversums Der erste Kontakt mit Wamono beginnt häufig mit einer Platte, deren Cover keinerlei Superstar verspricht. Ein unbekannter Name, ein schlichtes Design, japanische Schriftzeichen – und dann erklingt Musik, die vertraut wirkt und dennoch eine eigene Handschrift besitzt...  Der Begriff Wamono bedeutet wörtlich 'japanische Dinge'. In der internationalen Sammlerszene hat er sich...

Miles Davis – Doo-Bop: Der alte Mann und die Beats | Rhino / Warner Records | LP, 140g Vinyl | Reissue 2026

Miles Davis wäre 2026 hundert Jahre alt geworden. Ein Jubiläum, das zwangsläufig eine ganze Reihe von Wiederveröffentlichungen nach sich zog und immer noch zieht. Bei Doo-Bop ergibt eine davon allerdings besonders viel Sinn. Denn ausgerechnet das letzte Album, an dem Davis noch selbst gearbeitet hat, gehörte auf Vinyl lange nicht gerade zu den Platten, die einem für kleines Geld ständig über den Weg liefen. Das Original erschien 1992, mitten im Siegeszug der CD, spätere Vinylauflagen blieben vergleichsweise überschaubar. Rhino bringt Doo-Bop nun wieder als reguläre 140-Gramm-LP zurück – und damit auch ein Album, das einen merkwürdig passenden Schlusspunkt unter eine außergewöhnliche Karriere setzt...  Wobei Schlusspunkt eigentlich das falsche Wort ist. Denn Doo-Bop klingt weniger nach Abschied als nach der nächsten Baustelle eines Musikers, der zeitlebens wenig Interesse daran hatte, dort zu bleiben, wo man ihn gerade erfolgreich einsortiert hatte. 1991 war Miles Davis ...

Zwischen Improvisation und hypnotischem Groove: SML – Spontaneous Music LiveInternational Anthem | LP | VÖ: 2026

Das neue Album Spontaneous Music Live von SML ist auf International Anthem erschienen – einem Label, das seit Jahren die Grenzen zwischen Jazz, elektronischer Musik und improvisierter Avantgarde auslotet. SML knüpfen nahtlos an diese Ästhetik an und entwickeln daraus einen eigenständigen Sound - treibende Synthesizer, organische Live-Instrumentierung und eine faszinierende Balance zwischen Post-Jazz, Krautrock und minimalistischen Grooves...  Die Live-Aufnahmen leben von ihrer Spontaneität – aus improvisierten Strukturen entstehen dichte Klangräume, die gleichermaßen hypnotisch wie rhythmisch mitreißend wirken. Statt virtuoser Selbstzwecke steht hier das kollektive Zusammenspiel im Mittelpunkt – dynamisch, mutig und stets in Bewegung...  Ein besonderes Highlight ist die B-Seite mit „Roundabouts“. Der knapp 20-minütige Track entfaltet sich aus einem zunächst zurückhaltenden Motiv zu einer faszinierenden Klangreise, in der repetitive Grooves, subtile elek...

Forgotten Hero: Reinhard Lakomys visionäre Klangwelten | Reinhard Lakomy – Palastkonzert (Lacky Musik, 10. April 2026)

Manche Archivveröffentlichungen bedienen vor allem die Nostalgie. Palastkonzert gehört nicht dazu. Der erstmals auf Vinyl veröffentlichte Mitschnitt eines Konzerts aus dem Jahr 1983 ist weit mehr als ein historisches Dokument – er eröffnet einen faszinierenden Blick auf einen Künstler, dessen Bedeutung für die elektronische Musik im deutschsprachigen Raum bis heute oft unterschätzt wird... Reinhard Lakomy war ein musikalischer Grenzgänger. Vielen ist er bis heute als Schöpfer des Traumzauberbaums präsent, doch sein Schaffen reichte weit darüber hinaus. Der Pianist, Komponist und Arrangeur bewegte sich mühelos zwischen Jazz, Rock, Filmmusik und Elektronik und gehörte Anfang der 1980er Jahre zu den Pionieren elektronischer Musik in der DDR. Seine Begegnungen mit Edgar Froese von Tangerine Dream und seine Begeisterung für neue Synthesizer-Technologien prägten eine künstlerische Handschrift, die nie Selbstzweck war. Lakomy verstand elektronische Instrumente nicht als Effektmasc...