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Mikael Máni – Half Sun (Smekkleysa, 17. Juli 2026


Beim isländischen Gitarristen und Komponisten Mikael Máni ist die Gitarre weniger Soloinstrument als Ausgangspunkt für ganze Klanglandschaften. Half Sun ist sein fünftes Album und zugleich, wie Máni selbst sagt, ein Abschluss: Es beendet die musikalische Phase, die er seit seinem Debüt Bobby entwickelt hat. Dazwischen liegen unter anderem Nostalgia Machine, das bei den Icelandic Music Awards ausgezeichnete Innermost und das 2024 bei ACT erschienene Guitar Poetry... 

Half Sun führt diese Entwicklung noch einmal zusammen, wirkt dabei aber keineswegs wie eine Zusammenfassung bereits erprobter Ideen. Jazz bildet zwar weiterhin das Fundament, doch Máni öffnet die Musik weit in Richtung Filmmusik, Folk, Post-Rock und impressionistischer Klangmalerei. Das funktioniert vor allem deshalb so gut, weil hier niemand permanent beweisen muss, was er am Instrument kann. Melodien werden angedeutet, weitergereicht, verschwinden wieder; elektrische und akustische Gitarre stehen neben Metallophon, Piano, Keyboards, Bass und Schlagzeug. Gelegentlich tritt auch eine Stimme hinzu. Das Ensemble spielt ausgesprochen geschlossen und mit einem bemerkenswerten Gespür für Dynamik und Zwischenräume... 

Dabei besitzt die Platte etwas ausgesprochen Bildhaftes. Gerade die Verbindung aus Mánis klarer, häufig beinahe schwebender Gitarrenarbeit und den flächigeren Arrangements lässt Musik entstehen, zu der sich die Bilder im Kopf fast von selbst einstellen. Das viel gebrauchte Etikett „cinematisch“ passt hier tatsächlich einmal ziemlich gut. Allerdings ist Half Sun keine reine nordische Melancholieveranstaltung. Dafür steckt zu viel Bewegung in diesen Stücken, zu viel rhythmische Verschiebung und gelegentlich auch eine gewisse kantige Spannung. Hoffnung und Zweifel, Wärme und Distanz stehen immer wieder nebeneinander – der Albumtitel trifft diese eigentümliche Zwischenlage ziemlich genau... 

Produziert wurde das Album von Máni selbst gemeinsam mit Albert Finnbogason, der auch Aufnahme und Mix verantwortet; das Mastering stammt von Hoffe Stannow. Gerade diese Produktion gefällt mir: Sie schafft Weite, ohne die Musik künstlich aufzublasen. Die Instrumente behalten ihre Konturen, gleichzeitig entsteht ein zusammenhängender Ensembleklang. Henrik Linders E-Bass und Magnús Trygvason Eliassens Schlagzeug geben den Stücken ein belastbares Fundament, während Lilja María Ásmundsdóttir und Tómas Jónsson mit Metallophon, Piano und Keyboards zusätzliche Farben einbringen... 

Die LP erscheint über das traditionsreiche isländische Label Smekkleysa, außerhalb Islands vertrieben durch Broken Silence. Eine besondere Pressung oder aufwendige Sonderausstattung ist derzeit nicht belastbar dokumentiert, deshalb soll hier auch nichts hineininterpretiert werden. Sicher ist: Half Sun ist regulär auf Vinyl erhältlich... 

Unterm Strich ist das eine ausgesprochen stimmige Platte, deren Stärke weniger in spektakulären Einzelmomenten als in ihrem durchgängigen Klangbild liegt. Half Sun bewegt sich souverän zwischen zeitgenössischem Jazz und atmosphärischer, beinahe filmischer Musik und bewahrt sich dabei genügend Ecken, um nicht zum bloßen Wohlklang zu werden. Wenn dieses Album tatsächlich einen Abschnitt in Mánis musikalischer Entwicklung abschließt, macht es jedenfalls neugierig darauf, was danach kommt. Mir hat es jedenfalls ausgesprochen gut gefallen... 

Links:
"Mikael Máni – Half Sun auf Bandcamp" 


Tracklist – LP

Side A
1. Half Sun
2. July Song
3. Hidden Affection
4. Don't Let Me Know
5. Cases

Side B
6. Show and Tell
7. Höggið
8. Hermes
9. By Request
10. D.V.

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