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Mit der grünen Chili durch Kreuzberg – Kancha Lanka Koalition: „Kanal“ (XJAZZ! Music, 04.09.2026)


Eine Fahrradfahrt quer durch Kreuzberg, vom Schlesischen Tor Richtung Gleisdreieck, und im Kopf fahren Thelonious Monk, Olivier Messiaen, James Brown und südindische Rhythmik mit. Das ist nicht nur ein hübsches Bild für „Kanal“, sondern beschreibt ziemlich treffend, wie die Kancha Lanka Koalition ihr zweites Album angelegt hat: als musikalische Bewegung durch die Stadt, bei der unterschiedlichste Eindrücke aufgenommen, zerlegt und in etwas Eigenes überführt werden... 

Die Berliner Band existiert seit 2016 und veröffentlichte 2021 mit „In der Komfortzone“ ihr Debüt. Schon damals waren verschachtelte Rhythmen, abrupte Richtungswechsel und die selbstverständliche Nachbarschaft von Jazz, Rock, Avantgarde und unterschiedlichsten rhythmischen Einflüssen wesentliche Bestandteile ihres Sounds. „Kanal“ führt diese Idee weiter, klingt dabei aber ungemein geschlossen... 

Julian Dattas Gitarre, Richard Kochs Trompete, Rafael Espinozas Bass und Javier Reyes’ Schlagzeug funktionieren weniger als klassische Solisten plus Rhythmusgruppe denn als bewegliches Geflecht. Datta, der sich neben Jazz und Rock intensiv mit zeitgenössischer Klassik und südindischer Rhythmik beschäftigt, liefert dafür reichlich Material. Komplex ist das durchaus – nur klingt es erfreulicherweise selten danach... 

Genau hier liegt für mich die große Qualität von „Kanal“. Diese Musik kann eckig, nervös und sperrig werden, besitzt aber gleichzeitig einen enormen Groove. Funk taucht auf, ohne dass daraus Funk-Jazz von der Stange wird; freie Passagen öffnen den Raum, ohne zum Selbstzweck zu geraten. Und immer wieder findet das Quartett zurück zu einem gemeinsamen Puls. Das hat Köpfchen, aber eben auch Bauch und Beine... 

Vielleicht ist „Kanal“ deshalb ein ziemlich passender Titel. Wie Wasser sucht sich diese Musik ihren Weg durch vorgegebene Strukturen, beschleunigt, staut sich kurz und bricht anschließend wieder auf. Ein ausgesprochen lebendiges Jazzalbum – urban, eigensinnig und voller rhythmischer Widerhaken. Oder anders gesagt: weniger Konservatorium, mehr Straße – und trotzdem verdammt klug... 

Zur Rezension lag uns die CD-Ausgabe vor. Eine Vinylveröffentlichung ist derzeit nicht angekündigt... [mkl/33]

Tracklist
1. Schlesisches Tor – 6:56
2. Hochbahn – 6:47
3. Kanal – 7:00
4. Urbanstrasse – 5:51
5. Mehringdamm – 5:20
6. Gleisdreieck – 7:28

Besetzung: Richard Koch – Trompete · Julian Datta – Gitarre · Rafael Espinoza – Bass · Javier Reyes – Schlagzeug

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