Mauricio Fleurys Solo-Debüt „Revoada“ liest sich wie eine kluge, behutsam arrangierte Kartografie seiner musikalischen Wanderjahre – vom vibrierenden São Paulo via Berlin bis hin zu den Schallplattenhändler:innen Istanbuls. Weniger ein Album voll separater Kompositionen, als ein kohärenter Hörtrip: ein Groove-Jazz-Geflecht mit viel Soul, brasilianischer Tradition, melancholischem Psych-Gefühl und der Virtuosität, die man von dem früheren Afrobeat-Kollektiv Bixiga 70 kennt, deren Mitbegründer Fleury war...
Fleury, dominierend an Fender Rhodes, Hammond, Klavier und Synths, versteht sich als Digging-Künstler und Sammlerästhet — der Vinyl-Bewahrer (und selbst Sammler), der bei jeder Rille auf Geschichten hört und Werte sammelt. Dieses Gespür für Klang und Ästhetik durchzieht „Revoada“. Die Produktion wirkt warm, analog und räumlich — als ob das Album bewusst für das Vinylmedium konzipiert wurde. Die limitierte LP-Edition mit Artwork und OBI-Band macht das Kunstwerk komplett...
In stilistischer Hinsicht schafft Fleury eine Synthese, die klassische Soul-Jazz-Impulsgeber wie Hammond-Orgelfunk (Ramsey Lewis) und Rhodes-Soul mit einer brasilianisch-kosmopolitischen Sensibilität (Donato, Azymuth) verbindet. Gleichzeitig lassen zarte Andeutungen turkisch-orientalisch beeinflusster Psychedelik, gelegentliche Soundtrackvibes und Afrobeat-Verwurzelung eine Welt entstehen, die sich nicht kategorisieren lassen will. Die trommelnden Rhythmen und floralen Bläserarrangements tragen Geschichte und Bewegung — und vermitteln ein Gefühl von Sehnsucht nach Heimat und gleichzeitig Horizonterweiterung...
Für Jazzfreunde und Vinyl-Enthusiasten ist „Revoada“ nicht nur ein Album, sondern ein echtes Statement: Ein Statement dafür, dass Musik aus Wurzeln und Wanderung gleichermaßen geboren werden kann, ohne ihren Geist zu verlieren. Es lädt dazu ein, aufmerksam zu hören — auf Nuancen, Farben und Räume zwischen den Instrumenten. In dieser Balance aus Lockerheit und Präzision liegt seine Stärke. Fleury verzichtet auf Effekthascherei und klangliche Überfrachtung; stattdessen ergibt sich Klangschönheit fast beiläufig — wie ein guter Fund nach nächtlichem Diggen durch den Plattenschrank...
Für den Liebhaber von Vinyl und Musik mit authentischer Signatur ist „Revoada“ ein must-buy. Allein schon als musikalisches Statement eines Künstlers, der stilistische Grenzen verschwimmen lässt, lohnt sich dieser Tonträger absolut. Ich habe auch bereits 3-4 Leute im Auge, denen ich das Album noch persönlich empfehlen werde...
Tracklist:
- Kadıköy – 04:16
- Banhado – 03:31
- Revoada – 05:59
- Tanto Faz (Riviera Bar) – 03:22
- Jima – 06:48
- Briluz – 04:51